Hohenfelde - Ein Viertel zwischen Mode und Wassersport

Lübecker Str. 135
Klaus Bodig/HA

 

Hohenfelde war einst eines der wohlhabendsten Viertel Hamburgs. Es bietet schmucke Bürgerhäuser und den Blick auf die Alster.

 

Fläche in Quadratkilometer: 1,1
Einwohner: 9886
Wohngebäude: 686
Wohnungen: 32.664
Immobilienpreise Grundstücke in Euro/Quadratmeter: 1475
Immobilienpreise Eigentumswohnungen in Euro/Quadratmeter: 4273
(Quelle: Statistisches Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein, Stand 2016)

 

Sein Name klingt nach einem Gebiet weit draußen, dabei liegt er so nahe: der Stadtteil Hohenfelde. Eingebettet zwischen St. Georg und der Uhlenhorst, zwischen Eilbek und der Außenalster, wird er jedoch selten wahrgenommen. Kein Wunder bei 1,1 Quadratkilometer Fläche. Kaum hat man den kleinen Stadtteil erreicht, ist man auch schon wieder draußen. Für die rasche Durchfahrt mit dem Auto sorgen breite Verkehrsachsen. Doch Straßen wie die Sechslingspforte, der Mühlendamm oder die Lübecker Straße zeigen nicht eben die schönsten Seiten von Hohenfelde. Hier ist es laut, voller Abgase, und die Wohnbebauung hat größtenteils den Charme der 1960er-Jahre.

Schmucke Bürgerhäuser im Norden

Hohenfelde hat aber auch andere Seiten mit architektonischen Perlen. Manche schimmern bereits im südlichen Teil des Viertels um die U-Bahn-Haltestelle Lübecker Straße herum; die meisten glänzen im nördlichen Bereich, links und rechts des Hochbahnhofs Uhlandstraße. Der liegt selbst schon idyllisch im Grünen am Kuhmühlenteich. Von hier aus sind es nur ein paar Schritte in eine nicht erwartete Villengegend.

Im östlichen Teil Hohenfeldes reihen sich in der Güntherstraße, Neubertstraße und Lessingstraße prächtige Stadtvillen aus der Gründerzeit aneinander. Eine der schönsten Villen ist die Residenz der finnischen Generalkonsulin. Auch der 2013 verstorbene Schauspieler Dieter Pfaff hat lange in dieser beschaulichen Ecke gewohnt. Schmucke Bürgerhäuser sind ebenfalls im westlichen Teil im und um den Graumannsweg herum zu finden. Sie alle repräsentieren eine reiche Episode der Stadtteilgeschichte.

1892 war Hohenfelde der wohlhabendste Stadtteil nach Harvestehude und Rotherbaum. Mitte des 19. Jahrhunderts zog es immer mehr Bewohner vor die Stadttore. Während des Zweiten Weltkriegs wurden 70 Prozent des Stadtteils zerstört. Danach prägte der öffentlich geförderte Wohnungsbau mit seinen zweckmäßigen Nachkriegsbauten an vielen Stellen das Bild.

Auch der einstige gewerkschaftseigene Wohnungsbaukonzern Neue Heimat mischte mit. Zu seiner Hinterlassenschaft zählen die Zeilenbauten an der Lübecker Straße sowie das Hochhaus Alstertower. Es beheimatet heute Büros, das Konsulat der Tunesischen Republik und das Honorarkonsulat der Republik Ghana. Ein Bürogebäude moderner Machart steht am anderen Ende der Lübecker Straße: die wegen der Rundungen so bezeichnete Hamburger Welle der Architekten Bothe, Richter, Teherani.

Eine Welle, die zum Stadtteil passt, denn einer seiner weiteren Vorzüge ist die Nähe zum Wasser. Hier thront nicht nur Hamburgs auffälligstes Schwimmbad, die Alster-Schwimmhalle - wegen ihres dreiflügeligen Daches auch Schwimmoper genannt. Von Ende 2020 an wird sie umfassend saniert. Ein paar Schritte weiter Richtung Alster folgt die nächste Möglichkeit zum Wassersport. An der Schwanenbucht steht das Klub- und Bootshaus des Hamburger Kanu Clubs (HKC). Der betreibt nicht nur Wanderfahrten mit Kanu oder Kanadier, sondern auch einen Ballsport mit Paddel und Toren: das Kanu-Polo. Wer Entspannung sucht, lässt sich am Alsterufer nieder, blickt auf die Segelboote und das Panorama der Stadt.

Das "Wohnzimmer" des Quartiers

Von den Bootsstegen zu den Laufstegen des Stadtteils sind es nur wenige Minuten. In einer alten Mineralwasserfabrik aus dem Jahr 1872 lernen und experimentieren heute die Studenten der Modeakademie JAK. Auch zwei Straßen weiter in der Armgartstraße wird für den Catwalk gearbeitet. Aus der ursprünglichen Gewerbeschule für Mädchen von 1867 entstand nach wechselvoller Entwicklung 2004 der Modecampus Armgartstraße, der zur Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) gehört.

Gelehrt und gelernt wird zudem im Süden von Hohenfelde: in den Gewerbeschulen für Gastronomie und Ernährung sowie für Stahl und Maschinenbau in der Angerstraße. Größter Nachbar ist dort das katholische Marienkrankenhaus. Schon 1882 war das von Ordensschwestern des heiligen Karl Borromäus gegründete Hospital von St. Georg nach Hohenfelde umgezogen. Viele Hohenfelder erblickten hier das Licht der Welt und blieben gern im Stadtteil.

Bei der Stadtplanung reden Bürger mit

Junge Mütter treffen sich gern im Mütterzentrum an der Ifflandstraße. Das 1998 gegründete Nachbarschaftsprojekt hat großen Zulauf und mittlerweile eine von zwei Kitas in Hohenfelde. Auch einen Spielplatz mit Betreuung kann der Stadtteil aufweisen. Doch eine Schule gibt es nicht mehr. Die Grundschule Ifflandstraße wurde 2012 abgerissen. Schon einige Jahre zuvor fiel das Gemeindezentrum St. Gertrud in der Ifflandstraße der Abrissbirne zum Opfer. Viele Hohenfelder fürchten weitere Neubauten, etwa Bürohochhäuser, Hotels oder Luxuswohnungen.

Doch die Stadtteilbewohner engagieren sich. 1973 versuchten Hausbesetzer den Abriss von Altbauten am Schottweg zu verhindern, was aber misslang. 2006 gründeten 40 Hohenfelder eine Planungswerkstatt und dokumentierten ihre Visionen für den Stadtteil. Dazu gehören bezahlbarer Wohnraum und eine grüne Stadtteilmitte. Einige Ergebnisse flossen bereits in die Entscheidungen des Bezirksamts Nord ein. Damit Hohenfelde bleibt, was es ist: ein überschaubarer, familiär geprägter und lebenswerter Stadtteil.


Hohenfelde historisch

Ein merkwürdiger Eindruck: Dieser Stadtteil (seit 1894) ist von großen Verkehrsachsen begrenzt und durchzogen, die Bebauung typisch großstädtisch. Idyllische Fleckchen findet man nur wenige, aber die Straßennamen erzählen überall Geschichten von früher: Kuhmühle, Mühlendamm, Sechslingspforte, Angerstraße und Landwehr – das hört sich so schön ländlich und altmodisch an.

Eine als das „hohe feldt“ bezeichnete riesige Fläche hatte sich einst von der Landstraße Richtung Wandsbek bis an den Fluss Eylenbeke (Eilbek) erstreckt. Wer den Fußweg Richtung Uhlenhorst benutzen wollte, musste bei einer Zahlstelle (Pforte) sechs Pfennig – einen Sechsling – entrichten. Stellen Sie sich vor, Sie müssten an der heute so vielbefahrenen Sechslingspforte Geld für die Durchfahrt zahlen. Zum Glück ist die Zahlstelle längst verschwunden, nämlich schon seit 1869.

Die Kuhmühle stand bis 1874 am Westufer des gleichnamigen Teichs. Neben ihr plätscherte ein echter Mühlenbach – der um 1860 zugeschüttete Schürbek. Die Landwehr war ursprünglich ein aufgetürmter Wall, der im Laufe der Jahre zu einem Verteidigungswall wurde, vom Kuhmühlenteich bis nach Hamm reichte und vor allem während der Franzosenzeit eine wichtige Funktion hatte. Bis 1875 war die Anlage noch auf beiden Seiten mit einem breiten Wassergraben versehen. „Im Graben der Landwehr hatte der Landvogt der angrenzenden Landherrenschaft das Recht zu fischen“, heißt es dazu in einer alten Quelle.

Seyderhelm belieferte auch die Bismarcks

Um 1800 war das „hohe feldt“ also ein kaum besiedeltes Gebiet, aber sukzessive entwickelte es sich zum größten geschlossenen Gartenbaugebiet im ganzen Hamburger Raum, in dem zeitweise 40 Betriebe nachgewiesen werden konnten. Unter ihnen befanden sich die Kunst und Handelsgärtnerei Harmsen, die Gärtnerei von Emil Neubert (heute noch als Straßenname erhalten) und die bekannte Gärtnerei von Hermann Seyderhelm, die auch die Bismarcks in Friedrichsruh belieferte.

Im ausgehenden 19. Jahrhundert begann man damit, das Gelände stärker zu parzellieren, der entsprechende Senatsbeschluss stammt von 1854. Im Zusammenhang mit dem Ausbau des Mundsburger Damms rückten Hohenfelde und Uhlenhorst enger zusammen. Gleich vier Brücken bildeten schließlich die Verbindung zum Nachbarstadtteil, Schwanenwik- und Mundsburger Brücke machten 1875 den Anfang.

Von 1867 an verkehrten zwischen Hohenfelde und St. Pauli die pferdebespannten rot-weiß gestrichenen Soltauschen Omnibusse, die die Pferdebahn zwischen Rathaus und Wandsbek ergänzten. Noch viele Jahrzehnte später wurde in der Gegend ein Lied gesungen, in dem es hieß: „Des Nachts um elfe von Hohenfelde/da fährt der letzte rote Omnibus.“ Von 1878 an fuhr eine mit Dampf getriebene Bahn (im Volksmund Plätteisen genannt) über den Steindamm durch Hohenfelde nach Eilbek, die 1897 von einer elektrischen Straßenbahn abgelöst wurde.

Um 1900 waren Teile Hohenfeldes zu sehr eleganten Wohnvierteln avanciert – vor allem in Alsternähe. Zeitgenössischen Quellen zufolge hatten die Häuser im Auenviertel (rund um die Eilenau), zwischen Kuhmühle und Alster und am frisch angelegten Eilbekkanal, nicht selten acht Zimmer, waren mitden neuesten technischen Errungenschaften ausgestattet und entsprechend teuer.

Nach der massiven Bombardierung des Stadtteils während des Zweiten Weltkriegs blieb von dieser Pracht nicht mehr viel übrig. Im südöstlichen Hohenfelde war die Gegend zwischen Sechslingspforte und Landwehr stellenweise auch wesentlich kleinbürgerlicher und preisgünstiger. Hier mischten sich zwischen die Mietskasernen auch zahlreiche kleinere Gewerbebetriebe.

Der Lord von Barmbeck griff zu

Wenig bekannt ist, dass Hohenfelde im August 1920 durch einen spektakulären Raub in die Schlagzeilen geriet, für den kein Geringerer als Julius Adolf Petersen, der legendäre Lord von Barmbeck, verantwortlich war. Bei einem Überfall auf eine Kutsche der Rennbahngesellschaft an der Ecke Uhland-/Lenaustraße erbeutete der Lord 20.000 Mark – eine für damalige Verhältnisse sehr hohe Summe.

von Redaktion hamburgerimmobilien.de am 20.09.2018