Metropolregion Hamburg - Zukunftslabor Norderstedt

Garstedter Tor heißt das neue Wohngebiet in Garstedt, einem Ortsteil von Norderstedt, Ecke Kohfurth/Stettiner Straße.
Schenk & Waiblinger Architekten

In der Stadt an der Hamburger Stadtgrenze werden neue Wohnformen erforscht. Im Sommer werden die Einwohner befragt.

In Norderstedt wird die Zukunft des Wohnens erforscht. Mit Mitteln des Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) wollen Wissenschaftler herausfinden, wie Städte aussehen müssen, damit sie auf künftige Herausforderungen vorbereitet sind. Welche Wohnformen wünschen sich die Menschen? Wie sehen nachhaltige Städte aus? Wodurch zeichnen sich Wohnviertel aus, die für möglichst viele verschiedene Menschen attraktiv sind?

Um Antworten auf Fragen wie diese zu finden, hat das Ministerium den Wettbewerb Zukunftsstadt gestartet. Als eine von acht Städten bundesweit hat sich Norderstedt für die dritte Phase des Wettbewerbs qualifiziert. 600.000 Euro stehen dem Amt Nachhaltiges Norderstedt zur Verfügung, um zu konkretisieren, wie nachhaltige, bezahlbare und zukunftsfähige Wohnungsbauvorhaben aussehen müssen.

10.000 Haushalte in Norderstedt werden im Sommer angeschrieben

Dafür werden im Sommer 10.000 Haushalte in Norderstedt angeschrieben und zu ihren Vorstellungen rund um das Thema Wohnen befragt. Da geht es zum Beispiel darum, wie viel Wohnfläche die Norderstedter für sich brauchen, ob sie sich vorstellen könnten, ihre Küche mit den Nachbarn zu teilen oder auf welche Räume und Einrichtungen sie verzichten könnten.

Da ist zum einen die Frage nach bezahlbarem Wohnraum. Norderstedt, – am Hamburger Stadtrand gelegen – wurde erst vor 50 Jahren gegründet und hat in den vergangenen Jahren einen spürbaren Zuzug erlebt. Inzwischen ist die Einwohnerzahl auf mehr als 80.000 gestiegen. Das Institut für Wohnen und Stadtentwicklung (ALP) geht davon aus, dass die Stadt weiter wächst. In einem Wohnungsmarktkonzept gehen die Analysten davon aus, dass 2035 mehr als 88.000 Menschen in Norderstedt leben. Dafür müssen jedoch mehr als 6400 Wohnungen gebaut werden.

Antworten für wachsende Städte gesucht

Den erforderlichen Wohnraum zu schaffen, könnte durch Nachverdichtung und Neubau erreicht werden. Es werden vor allem kleine und günstige Wohnungen gebraucht. Allerdings können sogenannte Mikro-Apartments nur ein Baustein in einem umfassenden Wohnraumkonzept sein. Mit in den Blick nehmen wollen die Forscher die demografische Zusammensetzung der Stadtbevölkerung. So falle es vielen Neu-Rentnern schwer, sich nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben weiterhin hohe Mieten zu leisten.

Tiny Houses können das Wohnraumproblem nicht lösen

Unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit soll zudem künftig beim Wohnungsbau der Flächenverbrauch verringert werden, um zu verhindern, dass immer mehr Naturflächen versiegelt werden. Zwar klein, aber keine geeignete Lösung für Norderstedt seien Tiny Houses, also Minihäuser, so das Amt Nachhaltiges Norderstedt. Derzeit gibt es unter anderem in den USA, aber auch in Deutschland und anderen europäischen Ländern einen Trend, bewusst auf auf kleinstem Raum zu leben, um Ressourcen zu sparen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Auf dem Land seien Tiny Houses vielleicht geeignet, in städtischem Kontext, wie in Norderstedt eignen sie sich mit Blick auf den Flächenverbrauch nicht. Behutsame Nachverdichtung, oder wo möglich, die Aufstockung von Wohngebäuden berge mehr Potenzial. Der Großteil des künftig erforderlichen Wohnraums muss jedoch neu gebaut werden. Die entstehenden Einheiten sollten sowohl günstig, als als nachhaltig und qualitativ hochwertig gebaut sein. Die Befragung in Norderstedt soll auch Erkenntnisse darüber liefern, wie sich Singles, Paare und Familien ihre ideale Wohnung vorstellen. Alle Ergebnisse erhalten Architekten, die dann daraus eigne Entwürfe gestalten.

Die Modelle aus Norderstedt sollen Vorbild für ganz Deutschland sein

Am Ende sollen ganz konkrete Vorschläge stehen, die Wohnungsbauunternehmen auch realisieren können. Was in Norderstedt entwickelt wird, soll Vorbildcharakter haben, – wenn es nach dem Bundesministerium für Forschung und Bildung geht –, für ganz Deutschland. Aus diesem Grund sind auch Wohnungsunternehmen nicht nur aus Norderstedt, sondern auch aus Hamburg , in das Forschungsprojekt eingebunden. Ihre Expertise ist gefragt, wenn es um die Frage geht, welche Modelle finanzierbar sind. Einfließen sollen auch Erfahrungswerte aus der Praxis, wie zum Beispiel, dass sich Eineinhalb-Zimmer-Wohnungen leichter vermieten lassen als Ein-Zimmer-Apartments.

Für das Amt Nachhaltiges Norderstedt ist es wichtig, dass die Entwürfe am Ende den Geschmack der Norderstedter treffen. Schließlich sollen die Wohnformen der Zukunft nicht nur funktional und lohnenswert für die Bauwirtschaft sein, sondern einem Teil der Einwohnerschaft ein neues Zuhause bieten.  

von Redaktion hamburgerimmobilien.de am 14.02.2020