Hummelsbüttel - Lebenswert und unaufgeregt

Blick in Richtung City: bei guter Sicht sind Hamburgs Kirchtürme, der Tele-Michel und die Elbphilharmonie zu sehen
Andreas Laible

Hier findet jeder seinen Platz - vom Millionär bis zum Hartz-IV-Empfänger.

 

Fläche in Quadratkilometer: 9,1
Einwohner: 17.655
Wohngebäude: 2754
Wohnungen: 8081
Immobilienpreise Grundstücke in Euro/Quadratmeter: 533
Immobilienpreise Eigentumswohnungen in Euro/Quadratmeter: 3017
(Quelle: Statistisches Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein, Stand 2016)


Erst mal einen Überblick verschaffen. Und das geht in Hummelsbüttel so gut wie in kaum einem anderen Teil von Hamburg. Wir nähern uns dem grünen Stadtteil am Nordrand Hamburgs von der Grenze zu Schleswig-Holstein aus und machen uns direkt hinter dem Ortsausgangsschild von Norderstedt für den Aufstieg bereit. Der Monte Müll ragt 76 Meter empor, für Hamburger Verhältnisse ein echtes Hochgebirge. Es geht steil bergauf, vorbei an wilden Brombeersträuchern, über Anstiege, die im Winter als halsbrecherische Rodelpisten dienen. Der ungeübte Bergsteiger kommt kurz vor dem Gipfel ins Keuchen. Doch kaum hat er den inneren Schweinhund besiegt und die letzten Schritte geschafft, begreift er, warum sich das gelohnt hat.

Wow! Mehr fällt einem nicht ein, wenn man in der Abendstimmung auf dem Müllberg steht und über Hummelsbüttel hinweg die Skyline der Hansestadt erblickt, dahinter die Spitzen der Kräne im Hafen erkennt und im Westen, vor der Kulisse der untergehenden Sonne, ein Flugzeug eine Schleife nach Süden dreht. Eine spektakulärere Verwendung für Zivilisationsmüll und den Aushub, der beim Bau der City Nord in den 60er-Jahren entsorgt werden musste, ist kaum vorstellbar.

Hummelsbüttel ist ein Sozial-Mikrokosmos

Hummelsbüttel liegt einem hier oben mit all seiner Unterschiedlichkeit zu Füßen. Da ist das 60 Hektar große Naturschutzgebiet mit den beiden Naturdenkmalen Ohlkuhlenmoor und Hüsermoor sowie einem Teil des Raakmoors an der Grenze zu Langenhorn. Östlich davon, zur Grenze nach Poppenbüttel, liegt die Großsiedlung Tegelsbarg, eine Stadt in der Stadt mit unzähligen vier- bis fünfgeschossigen Wohnblocks. Im Südwesten ragen die Wohntürme der Großsiedlung Lentersweg hervor. Und im Süden das Herz des Stadtteils, mit den Hochhäusern am Hummelsbütteler Markt, aber auch den hübschen, im Grünen gelegenen Einzelhaussiedlungen und den mondänen Villen an der Alten Landstraße, mit Blick auf den Alsterwanderweg.

Hummelsbüttel - das ist ein Hamburger Sozial-Mikrokosmos, zu seinen gut 17.000 Einwohnern zählen Millionäre ebenso wie Hartz-IV-Empfänger, mittelständische Familien ebenso wie einfache Arbeiterfamilien und Migranten aus aller Welt ebenso wie alteingesessene Hamburger in der vierten oder fünften Generation.

Wer im Herzen Hummelsbüttels unterwegs ist und von der Hummelsbütteler Dorfstraße auf den Grützmühlenweg abzweigt, der bekommt eine Ahnung davon, wie es hier war, als die Dorfstraße ihrem Namen noch alle Ehre machte. Ein hübscher Bauernhof, Stallungen für Reitpferde und direkt an der Susebek eine niedliche, eingewachsene Reetdachkate. Ein Rest ländlicher Idylle, den man unweit des urban verdichteten Hummelsbütteler Marktes nicht erwartet.

"Früher stand gleich daneben noch unsere Grützmühle. Aber die wurde 1962 abgebaut und ins Museumsdorf Volksdorf versetzt", sagt Jens Herzberg. Er ist der Vorsitzende des Heimatvereins Hummelsbüttel. Wenn einer Hummelsbüttel in- und auswendig kennt, dann er. Sein Urgroßvater Heinrich Mansberg kam im 19. Jahrhundert aus Lemsahl nach Hummelsbüttel und wurde Gemeindediener. Als Nachwächter jagte er morgens mit Sprüchen wie diesem die Bauersleute aus den Betten: "Fro Eikhoff! Upstohn, ward Tiet to 'n Melken, nich wedder inslopen!"

Nach dem Krieg begann ein Goldrausch

Jens Herzberg erzählt: "Hummelsbüttel war noch 1937 ein Dorf mit nur 1900 Einwohnern. Ich ging als Kind mit der Kanne in der Hand zum Bauern, um Milch zu holen. Jeder kannte hier jeden. Und wenn man ein Gerücht im Dorf erzählte, war es schneller wieder zu Hause als man selbst." Mit der Eingemeindung des Dorfes durch das Groß-Hamburg-Gesetz vom Kreis Stormarn nach Hamburg änderte sich alles.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges fraß die Großstadt das Dorf in seiner Gier nach Wohnraum. Und für die Bauern, denen die meisten Flächen auf der Gemarkung Hummelsbüttel gehörten, begann so etwas wie ein Goldrausch. Die Katen und Strohdachhäuser wichen mehrgeschossigen Betonwohnsilos, die Knicks und Weiden wurden zu großzügigen Einzel- und Reihenhaussiedlungen. Das Dorf Hummelsbüttel verschwand, der moderne Stadtteil am Hamburger Rand entstand.

In etlichen Straßenzügen ist er heute den Besserverdienenden vorbehalten. Was schon früher als gesetzt galt. "Für die Langenhorner waren die Hummelsbütteler immer die Reichen. Früher gab es unter Jugendlichen bei Veranstaltungen deswegen häufig Ärger", sagt Herzberg. Tatsächlich könnte der Kontrast zwischen den eher günstigen Mietwohnungen in den Siedlungen Lentersweg und Tegelsbarg zu den exklusiven Wohnlagen an der Alten Landstraße kaum größer sein.

Der Uhlenhorster HC ist mehrfacher Deutscher Meister

Wer hier zurzeit sein Einfamilienhaus anbietet, darf mit Höchstpreisen als Ertrag rechnen. Doch wer kann, der bleibt - und in der Regel lange. "Hummelsbüttel ist eine lebendige Gemeinschaft", sagt Herzberg. Beispiele dafür gibt es genügend. Jährlich kommen Vertreter aller Vereine, der Polizei und der Politik zum Treffen der Vereine zusammen und besprechen alles, was im Viertel anliegt.

Die Freiwillige Feuerwehr mit ihrer mehr als 120-jährigen Geschichte ist in Hummelsbüttel bei vielen Veranstaltungen aktiv. Die seit 1973 bestehende Interessengemeinschaft um den Lentersweg sorgt mit Angeboten für die Familien der Großsiedlung für ein besseres Miteinander. Seit mehr als 60 Jahren bildet die Christophorus-Kirchengemeinde den geistlichen Mittelpunkt des Stadtteils. Aufgebaut wurde die Gemeinde von einer Hummelsbütteler Legende, dem Pastor Erich Meder, der zwischen 1949 und 1986 hier wirkte.

Sportlich gesehen darf der große UHC nicht ungenannt bleiben, der Uhlenhorster Hockey Club, der seit 1923 direkt am Alsterwanderweg am Wesselblek sitzt und mit seinen Hockey-Bundesligamannschaften viele deutsche Meisterschaften gefeiert hat. Jens Herzberg bringt es auf den Punkt: "Bei uns im Viertel findet man alles, was das Leben lebenswert macht!"


Hummelsbüttel historisch

Vor vielen Jahrhunderten war Hummelsbüttel (Humersbotle) eine der größten Siedlungen im ganzen Alstertal – aber nicht gerade die friedlichste. In einer Chronik wird berichtet, dass der Hamburger Bürger Lutke Meyer 1614 an der Susebek eine Pulvermühle errichten ließ. Zur besseren Versorgung wurden Wassergräben gezogen, was zu massiven Konflikten mit den örtlichen Bauern führte. Nachdem Meyer mit einem Beil bedroht worden war, brach er sein Projekt 1618 wieder ab.

Kirchlich gehörte Hummelsbüttel ursprünglich zu Eppendorf, wurde aber nach Gründung der Niendorfer Kirchengemeinde 1768 dorthin eingepfarrt. Chronist Georg-Wilhelm Röpke berichtet, dass vor Beerdigungen die Teilnehmer des Leichenzuges wegen des heute kaum vorstellbar weiten Fußwegs nach Niendorf (über die Felder und durchs Moor) in Hummelsbüttel einkehrten und sich kräftig betranken – zu Ehren des Verstorbenen, versteht sich. 1894 kam Hummelsbüttel „gastweise“ zur Fuhlsbüttler Kirche, die Umgemeindung folgte erst 1949.

Standort großer Ziegeleien

1803 lebten in Hummelsbüttel 222 Menschen in 40 Haushalten. Nachdem es lange ein klassisches Bauerndorf gewesen war, siedelten sich im ausgehenden 19. Jahrhundert mehrere Ziegeleien an, die den Ort stark prägten. Zwei Beispiele: Die Ziegelei Steinhage an der Glashütter Landstraße soll in ihren Grundzügen schon aus der Zeit nach dem Großen Brand (1842) stammen, als für den Wiederaufbau der Stadt Material gebraucht wurde – nachweisbar ist sie seit 1893. 1904 kam ein zweiter Produktionsbereich (Werk II) hinzu, der bis in die späten 1940er-Jahre bestand. Das Hauptunternehmen (Werk I) blieb bis 1968 in Betrieb.

Viele Hummelsbüttler erinnern sich noch an die beiden verwaisten Ziegeleitürme, die 1975 gesprengt wurden. Das Naturdenkmal Sievertsche Tongrube am Poppenbüttler Weg erinnert an die Ziegelei Wettern & Sievert, die hier lag und von 1898 bis Ende der 1950er-Jahre in Betrieb blieb. Im Jahr 1908 war die Einwohnerzahl auf 650 angewachsen. Wenig Glück hatte Hummelsbüttel mit seinem Schulwesen. Eine erste Schule wird für das Jahr 1692 erwähnt, aber die erste wirklich nachweisbare Schulkate musste von Schülern und Lehrern noch mit den Hirten geteilt werden. Das erste Schulhaus riss man 1865 ab, das zweite brannte 1896 nieder. 1897 wurde die neue Schule eingeweiht und später erweitert.

Die Einwohnerzahlen stiegen langsamer als bei den Nachbarn

1936 lebten 1176 Menschen in Hummelsbüttel, das seit 1866 /67 als Teil des neu gegründeten Kreises Stormarn (wie Poppenbüttel und Bergstedt) zu Preußen gehörte. Als Hummelsbüttel 1938 nach Hamburg eingemeindet wurde, hatte es rund 1900 Einwohner. Obwohl Hummelsbüttel – genau wie viele andere etwas weiter draußen liegende Hamburger Stadtteile – nach dem Zweiten Weltkrieg zur Anlaufstelle für ausgebombte Hamburger und Vertriebene geworden war, stieg die Zahl der Einwohner auffallend langsam.

Während Poppenbüttel 1950 schon fast 12.500 Einwohner hatte, Sasel 13.626 und Wellingsbüttel 10.400, waren damals in Hummelsbüttel erst 4858 Menschen gemeldet. Die 1960er- und 70er- Jahre brachten dann erhebliche Veränderungen für die Struktur des Stadtteils. Fast alle alten Gebäude verschwanden, und die Großsiedlungen Lentersweg und Tegelsbarg bestimmten fortan das Bild. Im Jahr 1983 hatte Hummelsbüttel bei der Einwohnerzahl dann auch fast mit seinen Nachbarstadtteilen gleichgezogen: Hier lebten jetzt 16.110 Menschen – fast 2000 mehr als in Wellingsbüttel und knapp 2000 weniger als in Sasel.

Übrigens: Ein zentraler Punkt Hummelsbüttels war und ist der Hummelsbüttler Markt – und das, obwohl es hier nie einen Markt gegeben hat. Dahinter steht die hamburgische Gewohnheit, das Wort Markt in der Bedeutung von Platz zu benutzen. Bekanntestes Beispiel ist der Gänsemarkt, auf dem ebenfalls nie ein Markt veranstaltet wurde.

von Redaktion hamburgerimmobilien.de am 20.09.2018