Poppenbüttel - Ruhe statt Szenequartier

Poppenbüttel, Poppenbüttler Hauptstraße 10
Piel

 

Das größte Einkaufszentrum des Nordens findet man sofort, die wundersame Mini-Burg muss man schon entdecken.

 

Fläche in Quadratkilometer: 8,1
Einwohner: 22.847
Wohngebäude: 6128
Wohnungen: 10.546
Immobilienpreise Grundstücke in Euro/Quadratmeter: 500
Immobilienpreise Eigentumswohnungen in Euro/Quadratmeter: 3283
(Quelle: Statistisches Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein, Stand 2016)

 

Das Leben pulsiert nicht wie in Hamburgs Zentrum. Aber genau das wollen ja auch jene nicht, die sich überlegen, nach Poppenbüttel zu ziehen. Sie wollen kein Szene-Quartier, sondern vor allem drei Dinge: eine schöne Wohnlage, viel Natur drumherum und Einkaufsmöglichkeiten zur Genüge.

In Poppenbüttel lebt es sich behaglich und komfortabel. Ob im Einzel- oder Reihenhaus, in der Doppelhaus-Hälfte oder Eigentumswohnung - je nach Familiengröße oder persönlichen Ansprüchen findet sich im Stadtteil eine Bleibe. Auch bei Senioren ist Poppenbüttel sehr beliebt. Mit der Parkresidenz Alstertal und dem Hospital zum Heiligen Geist sind altengerechte Wohnanlagen entstanden, die selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden ermöglichen, aber auch im Pflegefall eine Rundumbetreuung bieten.

Was will uns der Künstler damit sagen? Diesen Gedanken hat wohl jeder, der vom Alsterwanderweg an der Poppenbüttler Schleuse den Blick über den Schleusensee schweifen lässt und zwischen den Bäumen versteckt den Burgturm entdeckt. Eine Burg? In Hamburg? An der Straße Marienhof liegt das Gebäude mit gerade mal 43 Quadratmeter Wohnfläche auf einem 3000 Quadratmeter großen Grundstück. Gutsbesitzer Albert Henneberg ließ die Burg im Jahr 1887 als Gartenhaus seines Anwesens errichten. Es sollte nicht irgendeine Burg werden, sondern das genaue Abbild des Domizils der Grafen von Henneberg bei Meiningen (Thüringen) im Maßstab 1:4.

S-Bahn-Anschluss seit 1918

Seit 1991 steht die Burg unter Denkmalschutz. Ein privater Investor sanierte das Schmuckstück in enger Abstimmung mit dem Denkmalschutzamt. Wegen der geringen Wohnfläche und diverser Auflagen ist das dauerhafte Wohnen in der Burg allerdings nicht vorgesehen.

Natur und Schönheit des Alstertals waren es, die das Dorf Poppenbüttel seit Ende des 19. Jahrhunderts zu einem beliebten Ziel der Hamburger für Wochenendausflüge machten. Zuerst war die Anreise auf Sandwegen und in der Kutsche noch beschwerlich. Dann aber wurde die Landstraße gepflastert, und 1918 bekam Poppenbüttel einen S-Bahn-Anschluss. Damit war's vorbei mit der rustikalen Beschaulichkeit. Immer mehr siedelten sich in Poppenbüttel an, das Dorf wurde zum Hamburger Vorort und 1937 eingemeindet.

Die Natur ist auch heute noch ein großes Pfund, mit dem Poppenbüttel wuchern kann. Der Alsterwanderweg lädt bei jedem Wetter und zu jeder Jahreszeit zum Spazierengehen, Joggen oder Nordic Walking ein. Bei Hundebesitzern - und nicht nur den ortsansässigen - ist die Auslauffläche am Kupferteich nahe dem Golfplatz Treudelberg sehr beliebt.

Wahrzeichen ist das Einkaufszentrum

In Poppenbüttels Wahrzeichen indes werden Hunde keinen Spaß haben, ihre Besitzer dafür umso mehr - im Alstertal-Einkaufszentrum, kurz AEZ genannt. Dieser Shopping-Tempel der Betreibergesellschaft ECE mit 240 Geschäften auf etwa 59.000 Quadratmetern am Heegbarg ist das größte Einkaufszentrum Hamburgs.

1970 wurde das AEZ im Alstertal eröffnet, 1990/91 und 2006 erweitert und modernisiert. Nach dem Umbau stehen mittlerweile 3000 Parkplätze zur Verfügung. In direkter Nähe befinden sich eine Post, Behörden, Banken und zahlreiche Arztpraxen.

Wer's lieber kleinteilig mag, macht seine Einkäufe am Stormarnplatz/Frahmredder am S-Bahnhof oder im Dreieck Moorhof/Harksheider Straße/Poppenbüttler Hauptstraße. Supermärkte und inhabergeführte Geschäfte versorgen die Kunden, freitags von 14 bis 18.30 Uhr ist Wochenmarkt. Der Biohof Hohenbuchen, Poppenbüttler Hauptstraße 46, verkauft in seiner Scheune frisch aus dem Garten, je nach Saison Obst, Gemüse, Kräuter, Apfelsaft und Blumen.

Auch Kultur kommt nicht zu kurz

Wohnen, Natur erleben, einkaufen - und wo bleibt die Kultur? Im Forum Alstertal, Kritenbarg 18, finden regelmäßig Ausstellungen, Vorträge, Lesungen und Konzerte statt. Das niederdeutsche Amateur-Theater Henneberg-Bühne hat sein Zuhause auf dem Gelände des Hospitals zum Heiligen Geist. Auf dem Spielplan stehen jährlich mehrere Stücke in platt- und hochdeutsch und ein Weihnachtsmärchen.

Über Poppenbüttels Grenzen hinaus sind die Alsterwanderweg-Konzerte bekannt. Seit 1962 finden an den Sonntagen zwischen den Sommer- und Herbstferien Konzerte mit geistlicher Chor- und Orgelmusik in der Marktkirche Poppenbüttel statt. Auf dem Programm stehen dann Werke aus allen Epochen der Musikgeschichte, große geistliche Oratorien, anspruchsvolle A-cappella-Darbietungen und eindrucksvolle Orgelmusik. Mitwirkende sind vor allem die Kantorei Poppenbüttel, aber auch Chöre und Organisten aus ganz Deutschland. Künstlerischer Leiter der Alsterwanderweg-Konzerte ist seit 1989 Michael Kriener, Kirchenmusikdirektor und Kantor an der Marktkirche.

Gedenkstätte erinnert an dunkle Zeit

Wer gern liest, wird in der Bücherhalle Alstertal, Heegbarg 22, fündig. Sie ist mit rund 60.000 Büchern, Zeitschriften und elektronischen Medien auf etwa 1000 Quadratmeter Fläche die größte Stadtteilbibliothek im Norden Hamburgs. Allein für Kinder und Jugendliche stehen mehr als 10.000 Medieneinheiten zur Verfügung.

Wer gern singt, wird sich bei der Liedertafel Amicitia von 1874 gut aufgehoben fühlen. Sportbegeisterte können im SC Poppenbüttel von 1930 trainieren oder sich im Meridian Spa Alstertal fit halten. Um Engagement für den Stadtteil geht es dem Bürgerverein Sasel-Poppenbüttel von 1955.

An die dunkle Zeit erinnert seit 1985 die Gedenkstätte Plattenhaus Poppenbüttel. Am Kritenbarg 8 ist es das letzte Plattenhaus der ehemaligen Siedlung aus Behelfsheimwohnungen, die die Frauen des KZ-Außenlagers Sasel ab Herbst 1944 bauen mussten. Die Betonteile für die Fertighäuser wurden im KZ Neuengamme hergestellt.

Poppenbüttel ist kein Dorf mehr. Wer schön wohnen, spazieren gehen und einkaufen möchte, ist hier richtig. Doch Poppenbüttel hat nicht nur diese drei Dinge zu bieten.


Poppenbüttel historisch

So wie in anderen Gegenden Hamburgs begann auch der Aufstieg Poppenbüttels mit dem finanzstarken Engagement einiger Bürger. 1763 und 1765 hatte der Hamburger Kaufmann Hinrich Christian Olde (1727–1789) die beiden Poppenbüttler Mühlen erworben, die dort schon lange nachweisbar waren. Bereits Mitte und Ende des 17. Jahrhunderts sollen eine Kupfermühle am Kupferteich und eine Pulvermühle in Betrieb gewesen sein.

Mit Olde begann laut Chronist Georg-Wilhelm Röpke „eine glanzvolle Zeit“. Er ließ die Mühlen ausbauen und eine Kupferraffinerie anlegen. Unterstützt vom dänischen Schatzmeister Heinrich Graf von Schimmelmann schuf Olde eine Münzprägestätte, die zeitweise sehr erfolgreich arbeitete. Auf seinem Landsitz verkehrten unter anderem die Dichter Friedrich Gottlieb Klopstock und Matthias Claudius.

Hohenbuchen und Poppenbüttler Hof

Als Olde 62-jährig überraschend starb („an einer Nervenkrankheit und an Krämpfen“), hinterließ er vor allem Schulden. Sein Besitz, für den sich Mitte des 19. Jahrhunderts der Name Hohenbuchen eingebürgert hatte, wurde laufend weiterveräußert, die eingeleitete Urbanisierung der Gegend aber fortgesetzt. Der Unternehmer Eduard Lippert ließ die Mühlen stilllegen und den Betrieb auf Milchwirtschaft umstellen. 1910 sollen seine 140 Kühe so viel produziert haben, dass er täglich bis zu 1400 Liter „Kontroll-Kindermilch- Hohenbuchen“ nach Hamburg verkaufen konnte.

1938 erwarb die Stadt Hamburg das Gut. Ein anderes Gut, der Poppenbüttler Hof, war Mitte des 19. Jahrhunderts in den Besitz der Familie Henneberg gelangt. Bruno Henneberg vergrößerte das Anwesen laufend und kaufte 1877 den Hof Treudelberg dazu. Der Hennebergsche Besitz umfasste danach fast 500 Hektar und galt als größte landwirtschaftliche Anlage des Alstertals. Das vor 1874 erbaute Gutshaus wurde 1979 abgebrochen.

Stehen geblieben ist dagegen die etwas skurrile Mini-Burg Henneberg am Alsterlauf, die ein Familienmitglied 1884 in Auftrag gegeben hatte. Henneberg junior (Eduard) hatte es schwer, den Besitz zusammenzuhalten. 1909 verkaufte er Treudelberg, 1930 wurde die Landwirtschaft eingestellt. Poppenbüttel entwickelte sich jetzt in eine andere Richtung: als Naherholungsgebiet und Wohnort.

Gedränge auf dem Poppenbüttler Markt

Schon im 19. Jahrhundert hatten Ausflügler die Schönheiten des Alstertals entdeckt. Die fast unberührte Natur und zahlreiche Gasthäuser zogen die Städter aufs Land. Auch der beliebte Poppenbüttler Markt war ein Besuchermagnet. Aus dem ursprünglichen Vieh-, Kram- und Pferdemarkt hatte sich mit der Zeit ein Vergnügungsfest wie der heutige Hamburger Dom herausgebildet, zu dem die Menschen von weit her kamen. Das Gedrängel war groß. Der Poppenbüttler Autor Ludwig Frahm schrieb dazu 1919: „Wer nich en goden Schubs verdreegen kann un to grote Höhnerogen hett, mutt sik nicht to Markt begeven.“

Doch noch Ende des 19. Jahrhunderts war Poppenbüttel relativ schwer erreichbar. Schließlich beteiligte sich Eduard Henneberg, die Zeichen der Zeit klar erkennend, 1910 an der Gründung der Alsterthal-Terrain- Actien-Gesellschaft (ATAG), die landwirtschaftliche Flächen in Bauland parzellierte (siehe Wellingsbüttel). Poppenbüttels Entwicklung zum städtischen Vorort wurde verstärkt, als 1918 die Strecke der Vorortbahn verlängert wurde.

Poppenbüttel hatte Ende der 1930er-Jahre rund 4500 Einwohner und war nun klar auf dem Weg zum Stadtteil. 1937/38 wurde es im Rahmen des Groß-Hamburg-Gesetzes in die Hansestadt eingemeindet.

von Redaktion hamburgerimmobilien.de am 19.09.2018