Miete niedrig, Wohnort: Eppendorf

Blick in den Innenhof des Geländes
Claas Greite

 

Genossenschaft realisiert ungewöhnliches Projekt auf Gelände eines ehemaligen Krankenhauses.

Der Stadtteil Eppendorf ist für manches bekannt – schöne Restaurants, Cafés und Geschäfte, Altbauten und Parks. Ein besonderes urbanes Flair sorgt seit Jahrzehnten für die Beliebtheit des Stadtteils. Eher nicht bekannt ist Eppendorf für günstige Mieten. Doch jetzt wurde ein Projekt realisiert, das Wohnen zum erschwinglichen Preis in bester Eppendorfer Lage ermöglicht. Die Rede ist von „Martini 44“ – unter diesem Namen firmiert ein neues Quartier, das auf dem Gelände des ehemaligen Krankenhauses Bethanien an der Martinistraße 44 realisiert wurde. Auf dem Grundstück, das in direkter Nachbarschaft des Universitätskrankenhauses Eppendorf  (UKE) und des Eppendorfer Parks liegt, sind 90 neue Wohnungen entstanden.

Bauherr und Besitzer der Wohnungen ist der Bauverein der Elbgemeinden (BVE), eine Genossenschaft. Er kaufte im Jahr 2012 das Grundstück der Stadt Hamburg ab und realisierte, im Verbund mit weiteren Partnern, das Projekt. Der Deal stand auch für einen Kurswechsel, den die Stadt damals beim Verkauf von städtischen Grundstücken einschlug. Denn der Senat gab das Grundstück nicht an den Höchstbietenden, sondern an das Unternehmen mit dem besten Konzept, in diesem Fall an die Genossenschaft. Das Besondere: Alle 90 Wohnungen sind öffentlich gefördert, die Mieten sind also mit Steuermitteln vergünstigt. Deshalb werden die Wohnungen nur an Mieter vergeben, die einen Wohnberechtigungsschein vorweisen können. Im Quartier Martini 44 haben auch kulturelle und soziale Einrichtungen einen neuen Platz gefunden. Die historische Fassade des Krankenhauses wurde erhalten, dahinter entstanden moderne Gebäude.

36 Wohnungen für Familien, 44 für Singles und Paare

„36 der neuen Wohnungen sind für Familien gedacht, sie haben drei oder vier Räume und sind zwischen 70 und 92 Quadratmeter groß“, sagt Peter Finke, der zuständige Abteilungsleiter beim BVE. Die Wohnungen werden an Familien mit mittlerem Einkommen vergeben, über den sogenannten zweiten Förderweg. Finke weiter: „44 Wohnungen sind für Singles oder Paare. Sie haben einen oder zwei Räume, die Größe liegt zwischen 43 und 60 Quadratmetern.“ Ein Teil dieser Wohnungen wird über den ersten Förderweg vergeben, an Menschen mit geringem Einkommen. Weitere zehn Wohnungen, so Finke, sind für Menschen mit Demenzerkrankung vorgesehen, die in einer Wohnpflegegemeinschaft betreut werden.

Eine eigene Gruppe in dem Projekt sind die „Martinis“. Dabei handelt es sich um eine Baugemeinschaft, die einen besonderen Bereich mit 24 Wohnungen in dem Komplex realisiert hat. „Die haben auch genossenschaftliche Mietverträge, konnten aber bei der Planung mitreden“, sagt Finke. Im Wohnbereich der Martinis gibt es unter anderem einen Gemeinschaftsraum und eine Dachterrasse.

Kunsthaus Eppendorf zog ins Erdgeschoss des Gebäudes

Nicht zuletzt die kulturellen und sozialen Einrichtungen machen das Quartier Martini 44 zu einem besonderen Ort. So zog das Kulturhaus Eppendorf mit ein, es ist jetzt im Erdgeschoss hinter der historischen Fassade ansässig, unter dem neuen Namen KUNSTKLINIK. Im selben Gebäude residieren das Eppendorfer Stadtteilarchiv, die Sozialstation Eppendorf und eine Beratungsstelle des Trägers Hamburgische Brücke sowie ein Quartiersbüro des Vereins MARTINIerLEBEN. Der Verein setzt sich für nachbarschaftliche Belange ein, unter anderem für Tempo 30 in der Martinistraße.

Die Mieten für die Wohnungen betragen zwischen 6,10 und 7,50 Euro pro Quadratmeter (nettokalt) im ersten Förderweg und 8,20 Euro pro Quadratmeter (nettokalt) im zweiten Förderweg. Derzeit sind alle Wohnungen vergeben. Wer sich dafür interessiert, in Zukunft in dem Quartier zu wohnen, kann sich über die BVE-Webseite bei der Genossenschaft melden. Peter Fink betont: „Auch als Nichtmitglied kann man sich bei uns um Wohnraum bewerben.“ Wer aber einen Mietvertrag unterzeichnet, wird automatisch Mitglied der Genossenschaft. Die Martinis haben ein Vorschlagsrecht für Nachbesetzungen bei den 24 Wohnungen, die unter ihrer Ägide entstanden. Interessenten können die Gemeinschaft über ihre Webseite kontaktieren. Wer feststellen möchte, ob er Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein hat, kann sich hier informieren.

von Redaktion hamburgerimmobilien.de am 17.05.2019