Duvenstedt - Stadtteil mit dörflicher Struktur

Hotel und Restaurant Alster-Au in Hamburg-Duvenstedt
Klaus Bodig

 

Hier begann Pippi Langstrumpfs Ruhm, hier würde es ihr gefallen: reichlich Kinder, und ständig ist was los.

 

Fläche in Quadratkilometer: 6,8
Einwohner: 6247
Wohngebäude: 1773
Wohnungen: 2516
Immobilienpreise Grundstücke in Euro/Quadratmeter: 429
Immobilienpreise Eigentumswohnungen in Euro/Quadratmeter: 3012
(Quelle: Statistisches Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein, Stand 2016)

 

Keine Frage, Pippi Langstrumpf würde sich in Duvenstedt wohlfühlen, denn in der grünen Idylle hoch im Norden der Hansestadt ist das Leben sozusagen noch ein Ponyhof - vor allem für Kinder, von denen es reichlich im Stadtteil gibt.

Dass kurz vor der Grenze zu Schleswig-Holstein seit 1949 die Geschichten der rot bezopften Heldin vom Oetinger Verlag an der Poppenbütteler Chaussee verlegt werden, ist dem guten Riecher von Verleger Friedrich Oetinger zu verdanken: Er hatte beherzt zugegriffen, als von einer schwedischen Autorin namens Astrid Lindgren noch kein anderer Verlag etwas wissen wollte.

Größte Grundschule in den Walddörfern

Wer frühmorgens mit dem Auto zur Arbeit "in die Stadt" fährt, sollte tunlichst aufpassen: Aus den schmucken Doppel-, Reihen- und Einfamilienhäusern in den Neubaugebieten etwa entlang des Trilluper Wegs und des Specksaalredders strömen Kinder scharenweise zur Grundschule, die mit mehr als 400 Schülern die größte in den Walddörfern ist. Die älteren Schüler radeln zu einer der weiterführenden Schulen in der Gegend - nach Poppenbüttel, Sasel, Buckhorn, Volksdorf oder Ohlstedt. Oder sie eilen im Laufschritt zur nächstgelegenen Bushaltestelle.

Nach Schulschluss geht's dann erst richtig los: Die Mädchen fahren - häufig mit Reitkappen behelmt - zum nächsten Ponyhof (!), die Jungs sind mit Tennisschlägern unterm Arm oder geschnürten Fußballschuhen unterwegs. Und wer keinen Sport treibt, der ist in der kirchlichen Jugendarbeit, bei den Pfadfindern im Dorf, im Blasorchester oder in der Freiwilligen Feuerwehr aktiv. Oder aber er geht ins Max-Kramp-Haus, das Kulturzentrum Duvenstedts, das allen Bürgern offen steht und das außer einem Kindergarten und einer Hortgruppe auch den Jugendtreff beherbergt.

Theater, Kochen, Sport im Jugendtreff

Ohne die Vereinigung Duvenstedt, die sich seit mehr als 50 Jahren für die Interessen der Bewohnerinnen und Bewohner - vor allem für die der Kinder und Jugendlichen im Ort - einsetzt, der auch das Max-Kramp-Haus gehört, geht in Duvenstedt nichts. Keine Feier, kein Projekt, bei dem die zahlreichen engagierten Mitstreiter und Mitstreiterinnen nicht ihre Finger im Spiel haben. Als im Herbst 2011 der 750. Geburtstag Duvenstedts gefeiert wurde, hat - natürlich - die Vereinigung Duvenstedt die fällige Geburtstagssause auf die Beine gestellt. Zehn Tage lang wurde gefeiert, und alle haben mitgemacht - vom Amateurtheater bis zum Duvenstedter Sportverein.

Trotz des enormen Bevölkerungswachstums in den vergangenen Jahren hat sich Duvenstedt seine dörfliche Struktur bewahrt und besitzt eine außergewöhnlich reichhaltige Stadtteilkultur. In Duvenstedt geht es immer noch sehr bodenständig und familiär zu - die Gefahr, zum reinen Schlafquartier zu mutieren, besteht jedenfalls nicht.

Dörfliche Struktur bewahrt

Und dann ist da natürlich das Thema Bebauung: Die Einwohnerzahl Duvenstedts hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten mehr als verdoppelt. Wobei nicht alle Alteingesessenen von den vermeintlich großen Wohnblocks, die in Wahrheit nicht mehr als drei, vier Stockwerke haben, begeistert sind. So manches alte Bauernhaus ist in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten aus dem Dorfbild verschwunden.

Doch auch das unterscheidet Duvenstedt von anderen Stadtteilen in den Walddörfern: Im Ort hat sich Gewerbe angesiedelt, dessen Interessen seit 2004 von "Duvenstedt Aktiv!", mittlerweile eine der größten Stadtteilinitiativen Hamburgs, vertreten werden. Quasi aus dem Stand heraus wurden unterschiedliche Aktivitäten erfolgreich realisiert wie beispielsweise die Duvenstedter Sonntagsmeile, das Duvenstedter Lichtermeer, das Duvenstedter Kinderfest und das gemeinsame Tannenbaumschmücken mit der Feuerwehr.

Joanna Dahl aus Barmbek, die in Duvenstedt aufgewachsen ist und im Jugendtreff ein Praktikum absolvierte, bringt das Lebensgefühl vieler Duvenstedter - besonders der jüngeren - auf den Punkt: "Natürlich kann man auch woanders gut leben. Doch irgendwann werde ich wieder zurück nach Duvenstedt kommen, denn hier ist es einfach besonders schön!"

Pippi Langstrumpf würde ihr bestimmt nicht widersprechen.


Duvenstedt historisch

Nur in wenigen Hamburger Stadtteilen wird die eigene Geschichte so gepflegt und gelebt wie in Duvenstedt. Wer die Festschrift zur 700-Jahr-Feier im Jahr 1961 gelesen hat und bei der 750-Jahr- Feier 2011 dabei war, wird feststellen: Die Duvenstedter sind sich und ihrem Stadtteil treu geblieben. Die historischeEntwicklung Duvenstedts ist der des benachbarten Lemsahl-Mellingstedt sehr ähnlich. Beide gehörten nacheinander zunächst zur Grafschaft Pinneberg und zu den Herzogtümern Lauenburg und Gottorp.

Von 1683 an mussten die Duvenstedter – genau wie ihre Nachbarn in Lemsahl-Mellingstedt – für das Kanzleigut Tangstedt schuften. Ab 1866 gehörten die zwei zu Preußen, 1937 wurden sie dann ins Hamburger Stadtgebiet eingegliedert.

Mit der Kleinbahn ins Grüne

1856 hatte Duvenstedt noch 345 Einwohner und jede Menge Tiere. Fünfzig Jahre später wurde die Umwandlung des Bauerndorfes zum Vorort dann immer deutlicher. Um 1908 gab es nur noch drei große Höfe (Robert Stade, Karl Iden und Klaus Bornhold), die zum Teil schon parzelliert wurden. Einziger Industriebetrieb war eine Dampfziegelei (Heinrich Halbe). Genau wie bei der Trilluper Ziegelei in Lemsahl-Mellingstedt wurde auch hier die Alster für den Transport der Ziegel genutzt.
Stärker als das Nachbardorf besuchten Ausflügler Duvenstedt nach 1907, weil es über die Kleinbahn nach Wohldorf leichter erreichbar war. An den Wochenenden wurde die Bahn extra mit doppelstöckigen Anhängern versehen, um noch mehr Gäste befördern zu können. Die Duvenstedter Gasthäuser warben unter anderem mit dem Hinweis: „Vom Bahnhof Wohldorf in 15 Minuten zu erreichen.“

Zwischen den beiden Weltkriegen gab es in Duvenstedt neben etlichen Einzelhändlern auch immerhin sieben Gasthäuser. Eines davon, Idens Zum Lindenhof, verwies per Annonce auf seine Lage („Reizend an der Strasse von Poppenbüttel nach Wohldorf gelegen“) und den Garten („mit schönen Lauben“). Im Angebot waren unter anderem „hiesige und fremde Biere“ und „belegte Butterbröte“, außerdem gab es „frische Milch von eigenen Kühen zu jeder Tageszeit“.

Im Café Alster Au konnte man nicht nur Kaffee trinken, sondern auch ein Boot für eine Kahnpartie auf der Alster mieten. Bier wurde bei der Bill-Brauerei geholt, Fleisch brachte man zur Schlieckerschen Räucherkate, und einmal im Jahr feierten die Schüler ihren „Kinderball“.

Die Schule brannte ab, ein Schwimmbad als Geschenk

Die Zahl der Einwohner stieg kontinuierlich an – von 516 (1880) über 925 (1933) bis 2835 (1959). Logisch, dass der Ort dabei sein Gesicht stark veränderte. Immer wieder wurden Häuser abgebrochen oder sie fielen – wie das Schleusenhaus (1923), der Gasthof Zur Post (1934) oder das „Kaufhaus“ Reiche (1930) – einem Brand zum Opfer. Das strohgedeckte Schulhaus am Trilluper Weg war schon 1885 abgebrannt, aber – vermutlich zum Kummer der Schüler – schnell wiederaufgebaut worden.

Ein Zeichen besonderer Heimatverbundenheit: Landwirt Hugo Iden schenkte seiner Gemeinde ein Grundstück, auf dem das schöne Freibad angelegt wurde. 1934 sprangen die ersten Duvenstedter dort ins Wasser. Den alten Dorfteich schüttete man nach 1948 zu, um – Zeichen der Zeit – einen Parkplatz anzulegen.

Eine in der Duvenstedt-Chronik von 1961 abgedruckte Statistik zeigt, dass noch im Jahr 1958 immerhin 262,6 Hektar von Duvenstedtern als Ackerland genutzt wurden – inklusive hinzugepachteter Flächen. Die Zahl der Rinder hatte 1937 bei 393 gelegen und 1959 bei 407, während die der Pferde von 83 (1937) auf 47 (1959) sank. Von Landwirtschaft und Pferden ist heute nicht mehr viel übrig geblieben – dafür haben sich die Autos vor Ort explosionsartig vermehrt. 

von Redaktion hamburgerimmobilien.de am 20.09.2018