Hoheluft-West - Beschaulichkeit und Großstadtatmosphäre

Geisterspielplatz, Höhe Gärtnerstraße 13
Piel

 

Hier spielen Geister und des Kaisers Generäle grüßen.

 

Fläche in Quadratkilometer: 0,7
Einwohner: 13.089
Wohngebäude: 794
Wohnungen: 7907
Immobilienpreise Grundstücke in Euro/Quadratmeter: 1692
Immobilienpreise Eigentumswohnungen in Euro/Quadratmeter: 5124
(Quelle: Statistisches Amt für hamburg und Schleswig-Holstein, Daten: Stand 2016)

 


Kleine Paradiese bleiben selten unentdeckt. Wird das Fleckchen erst einmal aufgespürt, entwickelt es sich schnell zum Magneten, und ruckzuck tummeln sich dort jede Menge Menschen. Das trifft nicht nur auf Karibikinseln und Küstenorte am Mittelmeer zu, sondern auch auf Hoheluft-West. Schließlich ist das Viertel nicht ohne Grund der dichtestbesiedelte Stadtteil in Hamburg.


Vor allem für viele junge Familien ist es wie ein Sechser im Lotto, eine Wohnung in dem quirligen grünen Quartier direkt am Isebekkanal zu ergattern. Es kommt eben nicht immer auf die Größe an - auch 0,7 Quadratkilometer reichen aus, um ein eigenständiger und sehr beliebter Stadtteil zu sein. Hoheluft-West zählt zwar zu den kleinsten Stadtteilen, ist für seine Bewohner aber ein ganz großer.


Kreativität statt Tabak


Bereits Ende des 19. Jahrhunderts hatten Hamburger Kaufleute eine Vorliebe für die Gegend, die heute durch den Isebekkanal und die Hoheluftchaussee sowie die Stadtteile Lokstedt und Eimsbüttel begrenzt wird. Die wohlhabenden Bürger errichteten damals dort ihre hübschen Landsitze und Sommerhäuser. Denn als im Jahr 1870 zum ersten Mal die Wagen der Pferde-Eisenbahn über die Hoheluftchaussee holperten, setzte langsam die Umwandlung von Ackerfluren in Wohngebiete ein.


Die Topografien des 19. Jahrhunderts weisen darauf hin, dass das Viertel damals lange Zeit nur eine kleine Siedlung an der Isebek war: Die Einwohnerzahl wird mit 40 beziffert, worunter sich zwei Gastwirte, ein Schlachter und drei Schuster befinden, heißt es dort. Nachdem die Hohelufter 1912 mit der Eröffnung der Ringlinie um die Außenalster einen Hochbahnanschluss an der Hoheluftbrücke bekommen hatten, wurde auch die Wohnbebauung in dem Viertel intensiviert.


An die alten Zeiten erinnert heute noch die ehemalige Tabakfabrik mit ihrem fünfgeschossigen Hauptgebäude und dem runden Eckturm. Das 1903 an der Hoheluftchaussee errichtete "Fabrikschloss" mit der weißen Putz- und Backsteinfassade steht zwar in einem Hinterhof, schafft es dennoch, das Viertel zu überragen. Früher wurde hier Tabak gelagert, aufbereitet, mit Honig aromatisiert und dann für den Versand verpackt.


Doch 1983 machte der Betrieb dicht, der Hersteller verlegte seine Fertigung nach Lübeck. Der Grund: Die Anwohner hatten sich immer wieder über zu große Lärmbelästigung aus der Fabrik beschwert. Seitdem residiert die Kreativität in dem denkmalgeschützten Gebäude: Drei Jahre nach dem Umzug des Tabakunternehmens zogen Menschen - zumeist sehr kreative - mit ihren Agenturen, Ateliers, Büros und Labors in den Bau.


Hoheluft-West hat jedoch auch Schätze, die eher im Verborgenen liegen. Wie zum Beispiel der Geisterspielplatz hinter der ehemaligen Tabakfabrik. Gespenstisch sind hier jedoch nur die Masken, mit denen einige Spielgeräte verziert sind. Unter anderem führt ein kleiner Weg von der Wrangelstraße, Höhe der Hausnummer 79, zu dem hübschen grünen Areal mit der Tunnelrutsche, zig Klettermöglichkeiten und Basketballkörben. Wer hier mit dem Ball dribbelt, läuft übrigens über alte Schienen der Hamburger Straßenbahn, die hier noch zu finden sind.


Grün, aber nicht geleckt


Hoheluft-West - dieser Stadtteil ist bunter als das angrenzende Lokstedt, nicht so szenig wie das Schanzenviertel und weniger schickimicki als sein östlicher Namensvetter. Hier geht es bodenständiger zu. Hier guckt niemand schief, wenn jemand in ausgebeulter Jogginghose einkaufen geht. Hier gehört es zum Alltag, dass die Menschen auf den stark frequentierten Gehwegen grundsätzlich dort stehen bleiben, wo sie am meisten stören.


Es ist ein grünes, gemütliches Viertel, in dem aber auch mal Müll in den Ecken herumliegt. In dem hier und da Farbe von Altbaufassaden abblättert und sich einige Rentner angesichts der gestiegenen Mieten ein Leben in dem Stadtteil kaum noch leisten können. Und in dem Platz Mangelware ist. Nicht nur mit dem Auto, selbst für einen Radfahrer wird es manchmal schwierig, einen freien Stellplatz zu finden. Und auch auf den Bürgersteigen, die sich Mütter mit Kinderwagen, Passanten und Radfahrer teilen, wird es häufig eng.


Die Straßen mit den bunten Altbaufassaden wurden nach den militärischen Befehlshabern aus der Entstehungszeit des Kaiserreichs benannt. Heute zählen die Gneisenaustraße und ihre Parallelstraße zur begehrtesten Wohngegend im Stadtteil.


Beschaulichkeit gepaart mit Großstadtatmosphäre - das ist es, was die Bewohner hier ganz besonders schätzen. Dass nicht alles aussieht wie aus dem Ei gepellt, ebenfalls.

 

Hoheluft-West historisch

Man merkt es immer noch, wenn man die Hoheluftchausee in Richtung Norden hochgeht oder -fährt: Es geht ziemlich steil bergauf. Vor ein paar Hundert Jahren soll es dort auch schon so gewesen sein, und ein Spaziergänger kam dort unvermittelt in die hohe Luft beziehungsweise das hohe Licht (hoge lucht) und blickte bei Bedarf in Richtung Hamburg zurück.


Vielleicht lag hier – so wird es kolportiert – ja auch ein Galgen, an dem irgendwelche armen Teufel in der hohen Luft hingen. Geschichten zu diesem Stadtteilnamen gibt es jede Menge – nun zu den Fakten: Da Hoheluft keine Vergangenheit als Dorf hat, sind die Informationen aus der frühen Geschichte recht spärlich überliefert. Im frühen 19. Jahrhundert sollen vor Ort 40 Menschen gelebt haben, unter ihnen „zwei Gastwirthe“. Die alte Landstraße Richtung Lokstedt und Schnelsen hieß seit 1864 Hoheluftchaussee. Schon 1870 fuhr auf ihr eine Pferdebahn durch die zunächst noch sehr einsame Gegend.


Die Hoheluftchaussee als Wohn- und Einkaufsstraße


Im Zuge der fortschreitenden Industrialisierung und dem damit verbundenen Bevölkerungswachstum rückte Hoheluft, das erst 1939 ein eigener Stadtteil wurde, stärker ins Interesse der Stadtplaner. 1894 wurde die Bahnstrecke elektrifiziert, sechs Jahre danach erhielt sie die Nummer 2, und später fuhren unter anderem auch noch die Linien 3, 8 und 22 über die Hoheluftbrücke. Die stammt aus dem Jahr 1904, und 1912 wurde nebenan die U-Bahn-Station Hoheluftbrücke eröffnet, die allerdings trotz ihres Namens auf Harvestehuder Gebiet liegt.


Neben der Bahnlinie verläuft der Isebekkanal, der in seinen Grundzügen schon 1646 angelegt worden sein soll, wobei seine heute noch vorhandene Ausgestaltung aber vor allem aus den Jahren 1883/84 stammt. Die Hoheluftchaussee avancierte zu einer sehr schönen Wohn- und Einkaufsstraße – so ähnlich wie heute die Eppendorfer Landstraße.


Westlich und östlich davon wurden in den Seitenstraßen in großem Tempo viele Gründerzeithäuser errichtet, die heute zum Großteil noch erhalten sind. Allerdings gab es im Zuge der enormen Bautätigkeit im Hamburg der Kaiserzeit schon damals Nachverdichtungen, und immer wieder mischten sich Gewerbebetriebe und sogar Fabriken in die Wohngegenden.


Außer dem Beiersdorf-Konzern an der Unnastraße gab es in Hoheluft-West unter anderem seit 1903 die Tabakfabrik von Eicken, westlich der Hoheluftchaussee. Das seit 1986 denkmalgeschützte Gebäude, in dem zeitweise das Lokal Factory beheimatet war, ist heute noch fast unverändert erhalten. Neben etlichen Cafés sorgten an der Hoheluftchaussee damals auch beliebte Kinos für Unterhaltung: Seit 1908 das Blumenburg an der Nummer 117, von 1912 an dann auch noch das Neue Blumenburg, auf Höhe der Nummer 97, das ab 1937 Blumenburg Theater hieß.


Grenzhaus Hoheluft: Am Ende war die Kunst


Am Ende der Hoheluftchaussee, neben der Einmündung des Grandwegs auf die Troplowitzstraße, stand bis 1965 das „Grenzhaus Hoheluft“. Das unauffällige Häuschen war 1789 gebaut worden und hatte seiner Bestimmung entsprechend viele Jahre die Grenze zwischen Hamburg und Dänemark beziehungsweise Preußen markiert, bevor es Ende der 1880er-Jahre zu einer großen Bierschwemme umgebaut worden war. Vor allem in der Kaiserzeit war das Grenzhaus außerordentlich beliebt. Bis zu 1000 Gäste sollen sich an manchen Sommerwochenenden im Garten gedrängt haben, und gelegentlich wurden dabei mehr als 50 Fässer Bier geleert.


Nur zwei Monate vor Ende des Zweiten Weltkriegs war die holzverkleidete Gaststätte noch teilweise zerstört worden, unter anderem hatte sie ihren seitlich angebauten Saal verloren. Wenig bekannt ist heute noch, dass in der Ruine in den späten 1950er-Jahren eine erfolgreiche Künstlervereinigung, „Die Grenzhäusler“, arbeitete und ausstellte. Auch der Hoheluftchaussee hatten die Bombenangriffe des Zweiten Weltkriegs schwer zugesetzt, und von der schönen alten Bebauung war kaum noch etwas vorhanden. Manche Häuser verschwanden auch noch, als die Straße 1966 vierspurig ausgebaut wurde, bei denen, die stehen bleiben durften, rückte die Fahrbahn bis fast vor die Haustür.

von Redaktion hamburgerimmobilien.de am 18.09.2018