Krise trifft den Immobiliensektor

Auf Baustellen wird es voraussichtlich Engpässe geben.
filmfoto/Getty Images

Experten rechnen mit einschneidenden Folgen. Die Bundesregierung steuert mit Hilfspaket gegen.

Wie so viele Bereiche des öffentlichen Lebens, wird auch der Immobiliensektor von der Corona-Krise getroffen. „Die Krise wird sich ganz erheblich auf den Immobilienmarkt auswirken. Und zwar sowohl für die Wohnungsvermieter, als auch für die Gewerbevermieter und letztlich auch für Bauherren und Selbstnutzer“, sagt Torsten Flomm, Vorsitzender des Grundeigentümer-Verbandes Hamburg. Flomm weiter: „Es werden zahlreiche Mieter Schwierigkeiten bekommen, ihre Mieten zu zahlen. Hier müssen schnell solidarische und einfach zu handhabende Lösungen gefunden werden.“

Hilfspaket soll Mieter schützen

Erste Maßnahmen hat die Bundesregierung aus CDU und SPD bereits auf den Weg gebracht. In dem sogenannten Corona-Hilfspaket, das das Bundeskabinett beschlossen hat, finden sich auch neue Regelungen zum Mieterschutz. So dürfen Vermieter säumigen Mietern nicht kündigen, wenn diese ihre Miete wegen der Corona-Pandemie nicht begleichen können. Die Regelung gilt für Mietschulden, die im Zeitraum vom 1. April bis 30. September 2020 entstehen. Ein konkreter Nachweis, dass diese Mietschulden konkret auf die Pandemie zurückzuführen sind, muss nicht erbracht werden. Erleichterungen gibt es auch für Hartz IV-Empfänger. Bei Anträgen auf das Geld fällt die Prüfung der Höhe der Wohnungsmiete für zunächst sechs Monate weg. In dem Hilfspaket sind auch Hilfsgelder und Kredite für Selbstständige sowie kleine, mittlere und große Unternehmen vorgesehen. Diese sollen auch dabei helfen, dass Einnahmenverluste nicht auf private und gewerbliche Vermieter durchschlagen.

Die SAGA-Unternehmensgruppe als größter Vermieter Hamburgs ergreift zusätzlich eigene Maßnahmen. Die SAGA werde „zunächst befristet bis zum 30. April 2020 in Not geratene Mieterinnen und Mieter unterstützen“, heißt es in einer Mitteilung des kommunalen Wohnungsunternehmens. Unter anderem würden Stundungsvereinbarungen bei Wohnungsmietern verlängert, Mieterhöhungen würden vorerst ausgesetzt. Zu Gewerbemietern heißt es: „Stundungen werden ermöglicht und Kündigungen in Folge von Mietrückständen vermieden.“

Bauherren müssen mit Verzögerungen rechnen

Private Bauherren müssen sich darauf einstellen, dass es in den kommenden Wochen zu Verzögerungen kommen wird. Zwar wird weiterhin gebaut und nur wenige Baustellen ruhen, doch wird sich die Krise auch hier bemerkbar machen. Nach Angaben des Bauherren-Schutzbundes beschäftigen viele Unternehmer Arbeitskräfte aus den Nachbarländern, die derzeit wegen der Grenzsperrungen nicht zur Arbeit kommen können. Ein weiteres Problem zeichne sich bei der Versorgung mit Material ab. Torsten Flomm vom Hamburger Grundeigentümer-Verband sagt: „Die Handwerker sind nicht mehr so verfügbar, wahrscheinlich wird es bald auch zur Stilllegung von Baustellen kommen.“

Menschen, die auf der Suche nach einem Haus oder einer Wohnung sind oder nach einer lohnenden Investition, sollten jetzt nach Flomms Ansicht Geduld aufbringen. „Investitionen in Immobilien werden sich sicher weiter lohnen. Aber zurzeit sind alle gut beraten, ein wenig mit langfristigen Investitionsentscheidungen abzuwarten.“ Die Preisentwicklung müsse abgewartet werden. Mietinteressenten müssten „sehen, was überhaupt angeboten wird.“

Wohnungsbesichtigungen finden weiterhin statt

Nicole Reise, Geschäftsführerin der Frank Hoffmann Immobilien GmbH & Co. KG, beurteilt die Lage optimistischer. „Die Anfragen sind aktuell zwar rückläufig, wir erwarten jedoch in Kürze wieder eine leichte Belebung. Hauseigentümer beauftragen uns weiter mit dem Verkauf ihrer Immobilie.“ Bei Besichtigungen würden derzeit verstärkt virtuelle Rundgänge eingesetzt. Aber auch herkömmliche Besichtigungen fänden „selbstverständlich“ statt. Nicole Reise: „Diese werden mit einer begrenzten Personenzahl und unter Einhaltung von Sicherheitsabständen durchgeführt. Zudem müssen die Kunden Einweghandschuhe tragen und uns vorab eine Bestätigung über ihren Gesundheitszustand mitteilen.“ Auch bei der SAGA finden weiterhin Wohnungsbesichtigungen statt, wie der Leiter der Unternehmenskommunikation Michael Ahrens sagt: „Die Termine finden weiterhin statt, wobei wir sehr darauf achten, dass der gebotene Abstand zwischen Kunden und SAGA-Mitarbeitern eingehalten werden. Was wir per E-Mail oder telefonisch anstelle eines direkten Kontaktes erledigen können, setzen wir auch um.“

von Redaktion hamburgerimmobilien.de am 24.03.2020

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