Oberbillwerder – Stadtteil der Zukunft

So könnte der Stadtteil aussehen - in der Mitte der "Grüne Loop".
ADEPT mit Karres + Brands / IBA Hamburg

 

An der S-Bahn-Station Allermöhe sollen ab Mitte der 2020er-Jahre 7000 Wohnungen entstehen.

 

Wer dem Neuen gegenüber aufgeschlossen ist und es mit der Suche nach einem Haus oder einer Wohnung nicht eilig hat, sollte sich für das Projekt Oberbillwerder interessieren. Unter diesem Namen firmiert ein städtebauliches Großprojekt, nach der HafenCity das zweitgrößte Hamburgs. An der S-Bahn-Station Allermöhe soll auf einem 124 Hektar großen Areal Hamburgs 105. Stadtteil entstehen. Geplant sind dort etwa 7000 Wohneinheiten für rund 15.000 Menschen. Vorgesehen sind überwiegend Mehrfamilienhäuser, aber auch Einzelhäuser. Ein Viertel der Fläche soll als Gewerbegebiet ausgewiesen werden, 4000 bis 5000 Arbeitsplätze sollen entstehen.

Derzeit gehört das Gebiet noch zum Stadtteil Billwerder im Bezirk Bergedorf und wird landwirtschaftlich genutzt. Doch schon bald sollen Bagger den Äckern zu Leibe rücken. Um das Jahr 2022 sollen die Erschließungsarbeiten beginnen, Mitte der 2020er-Jahre sollen die ersten Häuser gebaut werden. Die Planungen laufen seit 2017. Die IBA Hamburg, eine städtische Entwicklungsgesellschaft, plant das Projekt in Abstimmung mit der Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen (BSW) und dem Bezirksamt Bergedorf. Anwohner und andere Interessierte konnten sich in einem Online-Verfahren und in mehreren Ideenwerkstätten einbringen. Diese Anregungen gingen in einen städtebaulichen Wettbewerb ein, den das dänisch-niederländische Planungsteam ADEPT ApS mit Karres + Brands für sich entschied. Der Siegerentwurf heißt „The Connected City“. Auf dessen Basis hat der Hamburger Senat im Februar 2019 den „Masterplan Oberbillwerder“ beschlossen. Im April 2019 hat die Bezirksversammlung Bergedorf die Einleitung eines Bebauungsplan-Verfahrens beschlossen.

„Active City“: Kurze Wege und Sportmöglichkeiten

Laut Masterplan soll der neue Stadtteil aus fünf Quartieren bestehen, die durch den „Grünen Loop“ verbunden werden – dabei handelt es sich um einen oval geschwungenen Grünzug, der das Markenzeichen Oberbillwerders werden soll. Der Stadtteil soll auch als „Active City“ gestaltet werden. Die neuen Bewohner sollen sich möglichst viel bewegen können. Sportplätze und Joggingstrecken werden von Anfang an mitgedacht, sowie die generelle Möglichkeit, viel zu Fuß oder mit dem Rad erledigen zu können. Dabei helfen sollen elf sogenannte „Mobility Hubs“. Dabei handelt es sich um neuartige kleine Parkhäuser, in denen die Bewohner ihre Autos abstellen und auf andere Verkehrsmittel wie Fahrrad, E-Bike, ÖPNV oder auf autonome Shuttlebusse umsteigen können.

Schulen, Kitas und ein Schwimmbad

Vorgesehen sind 85 Prozent Mehrfamilienhäuser und 15 Prozent Einfamilienhäuser. Die Planer wollen eine große architektonische Vielfalt erreichen, die Mehrfamilienhäuser sollen durchschnittlich fünf bis sechs Geschosse haben. Geplant ist, wie bei vielen Neubauprojekten, ein Drittelmix aus Eigentum, regulärer Miete und sozialem Wohnungsbau. 20 Prozent des Wohnraums sollen von Baugemeinschaften realisiert werden. Um günstigen Wohnraum anbieten zu können, soll serielles Bauen ermöglicht werden, außerdem frei finanzierter Acht-Euro-Wohnungsbau, wie er derzeit in Neugraben erprobt wird. Der neue Stadtteil soll zwei Grundschulen bekommen und bis zu 14 Kitas, außerdem ein Schwimmbad. Das Konzept der kurzen Wege wird auch durch die Ansiedlung von 4000 bis 5000 Arbeitsplätzen gestützt. Finden die neuen Anwohner ihren Arbeitsplatz gleich um die Ecke, können sie morgens das Rad nehmen oder zu Fuß gehen und sich die Fahrt in Richtung Zentrum sparen. Ist sie dennoch nötig, kann sie mit der S-Bahn erledigt werden, die 16 Minuten zum Hauptbahnhof braucht.

An dem Großvorhaben gibt es aber auch Kritik. Anwohner sorgen sich um den idyllischen Charakter der Landschaft, fürchten einen zu großen Flächenverbrauch. Zuletzt demonstrierten im Mai einige Hundert Menschen gegen das Projekt. Andere Kritiker monieren, die Planer hätten zu wenig Parkplätze für Autos vorgesehen. Vonseiten der Macher heißt es wiederum, man setze auf ein neues Mobilitätskonzept. Zudem sei das Projekt notwendig, um der Wohnungsnot entgegenzuwirken. Es werde keine abgeschlossene Insel entstehen, Oberbillwerder werde sich in die derzeitige Umgebung einfügen.

Mobile Ausstellung für Interessierte

Wer sich ein eigenes Bild machen will, kann sich an verschiedenen Terminen über das Projekt informieren. Eine mobile Ausstellung lädt die Besucher ein, den neuen Stadtteil kennenzulernen. Sie ist vom 5.8. bis 18.8. im BG Klinikum Hamburg-Bergdorf zu sehen, vom 2.9. bis 8.9. im AIT ArchitekturSalon in der Hamburger Altstadt und vom 17.9. bis 23.9. in der Handelskammer Hamburg. Weitere Termine und generelle Informationen auf der Webseite des Projekts.

von Redaktion hamburgerimmobilien.de am 03.08.2019