Leuphana - Lüneburgs besondere Universität

Libeskind-Bau der Leuphana Universität
Philipp Schulze

 

Mit der Leuphana hat Lüneburg eine der wenigen deutschen Stiftungsuniversitäten. Bei Schulabgängern ist sie sehr beliebt.

 

Die Leuphana Universität Lüneburg gilt manchen als kleinere, exklusivere Alternative zur Universität Hamburg. Sicher ist: Sie ist anders als viele deutsche Lehranstalten. Im Jahr 2003 wurde die Hochschule – damals hieß sie noch "Universität Lüneburg" – in eine Stiftungsuniversität umgewandelt, als eine der ersten in Deutschland. Seitdem bestimmt nicht mehr die niedersächsische Landesregierung, sondern ein siebenköpfiger Stiftungsrat über die Geschicke der Hochschule. Mitglieder sind unter anderem Gesine Schwan, die ehemalige Präsidentin der Europa-Universität Viadrina, und Hamburgs ehemalige Zweite Bürgermeisterin Krista Sager.

Das Modell verschafft der Universität eine größere Freiheit, die sie in den vergangenen 15 Jahren auch genutzt hat. So wurden unter anderem Kooperationen mit der Wirtschaft eingegangen, zudem bietet die Leuphana ein besonderes Studienmodell an. Alle Bachelor-Studiengänge sind an einem sogenannten College angesiedelt. Eine Besonderheit ist das Leuphana-Semester, ein gemeinsames erstes Studiensemester für alle Fachrichtungen. Ab dem zweiten Semester tritt neben das Fachstudium das sogenannte Komplementärstudium. Hier sollen unter anderem soziale Fähigkeiten, künstlerische oder philisophische Aspekte geschult werden. Grundsätzlich geht es darum, disziplinenübergreifendes Denken zu schulen.

Spektakulärer Neubau, Kritik an Kosten

Besonders ist auch der Campus der Universität. Er ist auf dem Gelände der ehemaligen Scharnhorst-Kaserne angesiedelt. Studenten wohnen ebenfalls auf dem Gelände, dadurch entsteht eine Atmosphäre, die ein wenig an englische oder US-amerikanische Unis erinnert. Studenten organisieren auch das jährliche Kunst- und Musikfestival Lunatic. Im Jahr 2017 wurde das neue Zentralgebäude der Universität eröffnet, in dem sich auch das Audimax befindet. Der Bau, entworfen von dem US-amerikanischen Star-Architekten Daniel Libeskind, ist ein spektakuläres Gebäude und dient als neues Wahrzeichen der Leuphana. Allerdings war uns ist das Projekt umstritten, unter anderem wegen seiner sehr hohen Baukosten. Zudem hatte es auch Kritik am Vergabeverfahren und an den Verwaltungsstrukturen gegeben, die sich die Universität seit 2003 gegeben hat.

9000 Bewerber auf 1500 Plätze für Erstsemester

Die Beliebtheit der Universität bei Schulabgängern scheint dennoch ungebrochen. Die Bewerberzahlen sind auf einem hohen Niveau. Im Frühjahr 2018 gab es 9000 Bewerber für 1500 Plätze für Erstsemester am College, die zum Wintersemester vergeben werden. Die höchste absolute Zahl an Bewerbungen bei den Hauptfächern gab es für die Betriebswirtschaftslehre (1027), die Psychologie (840) und die Kulturwissenschaften (661).

Mit 14 Bewerbungen um jeden Platz war die Psychologie insgesamt das begehrteste Hauptfach. Das englischsprachige Studienprogramm „Digital Media“ stand ebenfalls hoch im Kurs: Hier wurden mehr als acht Bewerbungen um jeden der 36 Studienplätze registriert. Mit sieben Bewerbungen um jeden der 67 Plätze war auch das ebenfalls englischsprachige Studium International Business Administration & Entrepreneurship überdurchschnittlich nachgefragt. Mit rund neun Bewerbungen um jeden Studienplatz sind auch das Lehramtsstudium für Grund-, Haupt- und Realschulen und das Lehramt an Berufsbildenden Schulen sehr beliebt. In Lüneburg sind alle Fächer zulassungsbeschränkt.

Bei der Auswahl ihrer Studierenden setzt die Universität auf ein besonderes Zulassungsverfahren. Für die Vergabe der Studienplätze wird nicht nur die Abiturnote berücksichtigt, sondern auch besondere Erfahrungen, Fähigkeiten und Kompetenzen der Bewerber. Zusätzlich gibt es einen schriftlichen Zulassungstest.

Zusammenarbeit mit Technischer Universität Hamburg (TUHH)

Im Jahr 2017 hat die Leuphana eine länderübergreifende Hochschulkooperation auf den Weg gebracht, die in dieser Form einmalig ist. So wurde mit der Technischen Universität Hamburg (TUHH) eine Zusammenarbeit vereinbart. Auf der Agenda steht nun unter anderem die Einrichtung eines Center for Digital Transformation an der Leuphana, das Zukunftsfragen der Digitalisierung bearbeiten soll. Die TUHH wird sich in diesem Zusammenhang des Themenfeldes Digitale Produktion annehmen.Im Gegenzug will die Leuphana ihre Ingenieurwissenschaften in eine gemeinsame Entwicklungsstrategie integrieren. Außerdem ist ein TUHH-Leuphana Center for Entrepreneurship geplant. Zusammen wollen sie auch ein Promotionsstudium im Bereich Entrepreneurship auf den Weg bringen.

Und dann wird da noch ein neuer, gemeinsamer Studiengang vorbereitet: Das Bachelor-Programm „Technologie und Gesellschaft“ soll Ingenieure eines neuen Typs hervorbringen. Der Plan ist, technische Kernfächer mit gesellschaftswissenschaftlichen und kulturwissenschaftlichen Grundlagen zu kombinieren.

von Redaktion hamburgerimmobilien.de am 25.09.2018