So soll Hamburgs neuer Stadtteil aussehen

An der Spitze des Parks soll das Museumsschiff "Peking" liegen.
Herzog & de Meuron / Vogt Landschaftsarchitekten

Architekten der Elbphilharmonie planen jetzt den Grasbrook. 3000 neue Wohnungen entstehen.

Vor rund 600 Jahren soll hier der berühmte Pirat Claus Störtebeker enthauptet worden sein. Wesentlich später, nämlich vor rund sechs Jahren, plante Hamburg an dieser Stelle ein Olympisches Dorf, im Rahmen der später gescheiterten Bewerbung für die Olympischen Spiele 2024. Die Rede ist hier vom Kleinen Grasbrook – einem Areal gelegen südlich der HafenCity. Derzeit handelt es sich um ein eher unscheinbares, abgeschottetes Hafengebiet mit überwiegend leerstehenden Lagerhallen. Doch für das Gebiet gibt es große Pläne, deren Realisierung nun auch immer näher rückt. Ein ganz neuer Stadtteil mit dem Namen “Grasbrook” soll auf einem 46 Hektar großen Teil des heutigen Stadtteils Kleiner Grasbrooks entstehen und zu einem modernen Vorzeigestadtteil werden. 3000 Wohnungen sind auf dem Gebiet geplant, zudem sollen hier 16.000 Menschen arbeiten. Zudem soll hier auch das Hafenmuseum seinen neuen Standort erhalten.

Bauarbeiten sollen 2023 beginnen

Erst im Jahr 2017 hatte der Senat die Schaffung des neuen Stadtteils bekannt gegeben. Dann gab es ein Wettbewerbsverfahren zu dessen Gestaltung, das jetzt endete. Die Jury entschied sich für das Schweizer Architekturbüro Herzog & de Meuron, das bereits die Elbphilharmonie plante. Das Büro mit Sitz in Basel wird gemeinsam mit Vogt Landschaftsarchitekten aus Zürich das Hafengebiet gestalten. 2023 sollen die Bauarbeiten beginnen.

Mit dem Siegerentwurf steht nun fest, wie der neue Stadtteil zwischen HafenCity und Veddel gegliedert sein wird, wo Wohn- und Bürogebäude gebaut werden und wo Parks und Grünanlagen entstehen sollen. Das Team aus Herzog & de Meuron und Vogt Landschaftsarchitekten hat den Grasbrook dafür in drei Viertel geteilt: das Moldauhafenquartier, das Hafentorquartier und das Saalehafenquartier.

In der Mitte soll ein fünf Hektar großer, lang gezogener Park, der Stadtpark „Veddelhöft“, mit einem See entstehen, an dessen westlicher Spitze später auch das Museumsschiff „Peking“ seinen Platz bekommt. Parallel zum Park ist die „Überseemeile“ als zentrale Anlaufstelle für alle Bewohner geplant. Der Platz vor dem jetzigen Überseezentrum soll dafür ein gigantisches Glasdach bekommen und für Kulturveranstaltungen und Open-Air-Kino genutzt werden.

Neue U-4-Haltestelle über dem Wasser

Der Entwurf sieht zudem eine Grundschule mit einem Fußballplatz, Kitas, dazu Anlagen für Outdoor-Sport und einen Marktplatz vor. Von der „Überseemeile“ wird dann eine begrünte Fuß- und Fahrradbrücke über die stark befahrene Straße Am Moldauhafen sowie über die Bahngleise zum Veddeler Marktplatz führen. Sie soll – ein entscheidender Punkt im Wettbewerb – die beiden Stadtteile auf kürzestem Weg verbinden. Binnen fünf Minuten, so das Versprechen, wird jeder Bewohner zudem die neue U-4-Haltestelle Grasbrook zu Fuß erreichen können. Die Haltestelle wird über dem Wasser entstehen – auf Stelzen im Becken des Moldauhafens, gegenüber der „Überseemeile“.

Bei den Fassaden der geplanten Gebäude haben sich Herzog & de Meuron an der bestehenden Hamburger Architektur orientiert. So soll es im Moldauhafenquartier zur HafenCity hin weiß verputze Fassaden geben, dahinter Gebäude aus Holz. In den anderen beiden Quartieren soll roter Backstein dominieren. Von oben werden die Gebäude dagegen einheitlich aussehen: begrünt und mit Solaranlagen ausgestattet. Rund um das Becken des Moldauhafens sind zudem drei Hochhäuser geplant.

Wie es vonseiten des Hamburger Senats heißt, soll bezahlbarer Wohnraum für alle Bevölkerungsgruppen geschaffen werden, zudem sei die Ansiedlung von qualifizierten und innovativen Arbeitsplätzen geplant. Die nächsten Schritte seien die Erstellung einer Funktions- und Bebauungsplanung, die Vergabe der Grundstücke und die weitere architektonische Planung der einzelnen Gebäude. Bei diesen Schritten werden die Hamburger mitentscheiden können. Die jetzigen Ergebnisse sollen voraussichtlich im Herbst mit Plänen und Modellen öffentlich ausgestellt und in verschiedenen öffentlichen Diskussionsformaten erörtert werden.

Das Großvorhaben ist Teil des Generationenprojekts "Sprung über die Elbe”, mit dem die Stadt gezielt Quartiere südlich der Elbe entwickeln will. Auch im näheren Umfeld des Grasbrooks tut sich eine Menge. Bereits fertiggestellt ist die U-4-Station “Elbbrücken”, die Haltestelle vor der geplanten Station “Grasbrook”. Auch das derzeit noch sehr industriell geprägte Umfeld der Station “Elbbrücken” wird komplett umgestaltet. In den kommenden Jahren soll hier ein ganz neuer Stadteingang mit Wohnquartieren am Wasser entstehen. Ein erster Schritt wird der Bau des „Elbtowers“ in direkter Nähe der U-Bahn-Station. Der soll mit 245 Metern Höhe das höchste Gebäude der Stadt sowie das dritthöchste Deutschlands werden. Die Pläne für das rund 700 Millionen Euro teure, privat finanzierte Projekt sind weit gediehen. 2021 soll nach derzeitiger Planung Baubeginn sein.

 

von Redaktion hamburgerimmobilien.de am 14.04.2020