Jenfeld - Stadtteil im stetigen Wandel

Altes Bauernhaus an der Charlottenburger Straße. Im Hintergrund Neubauten an der Kreuzburger Straße.
Klaus Bodig


Hier Dorf, dort Trabantenstadt - und eine weiße Villa, die Alt und Neu zusammenführen soll. Knapp 25.000 Menschen leben in dem Stadtteil.


Fläche in Quadratkilometer: 5,0
Einwohner: 25.622
Wohngebäude: 2643
Wohnungen: 10.892
Immobilienpreise Grundstücke in Euro/Quadratmeter: 399
Immobilienpreise Eigentumswohnungen in Euro/Quadratmeter: 2603
(Quelle: Statistisches Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein, Stand 2016)


Jenfeld ist ein Stadtteil, der sich immer wieder neu erfindet. Früher war "Gelevelde" ein Bauerndorf, das zum Kloster Reinbek gehörte. Dass die Dänen kamen und gingen und dass Jenfeld erst preußisch und später ein Stadtteil von Hamburg wurde, hat das Dorf kaum verändert. Es gab einige Bauernhöfe, später entstanden bürgerliche Wohnhäuser.

Im Zweiten Weltkrieg verloren viele Hamburger bei den Luftangriffen ihr Zuhause - in Jenfeld fanden sie eine Unterkunft in eilig errichteten Behelfsheimen. Aus den Unterkünften sollten richtige Wohnungen werden: In den 60er-Jahren wurde deshalb fleißig gebaut. Und so kamen die Hochhäuser nach Jenfeld. Diese Plattenbauten fallen anderen Hamburgern auf, wenn sie auf der Autobahn an der Abfahrt Jenfeld vorbeifahren.
 
Besonders schön ist Jenfeld im Jenfelder Moor und im Moorpark. Hier gehen die Jenfelder spazieren oder fahren mit dem Rad. Im Sommer wird hier gegrillt. In den angrenzenden Straßen befinden sich schöne Einfamilienhäuser. Hinter getrimmten Hecken und sauberen Fassaden wohnen die Bürger der Mittelschicht. Ihre Kirchengemeinde ist Der Gute Hirte an der Rodigallee. Der Kirchturm aus Betonplatten ragt im bürgerlichen Teil Jenfelds deutlich sichtbar heraus - er dürfte einer der wenigen "Plattenbauten" in diesem Teil Jenfelds sein.

Weiter östlich auf der Rodigallee befindet sich das Einkaufscenter Jenfeld, "Jen" genannt. Die Einkaufsmeile ist zwar nicht modern, sie hat jedoch alle Geschäfte, die man so braucht. Mittags ist das Jen immer voll - in den Imbissbuden und Cafés treffen sich die Jenfelder für einen Klönschnack zur Mittagspause.

Jenfeld-Haus symbolisiert Alt und Neu

Früher gab es in Jenfeld viele Dorfgasthöfe - zu denen Hamburger aus anderen Stadtteilen kamen. Es wurde getanzt, es gab Nusstorte, Eisbein, Maskeraden. Doch Moorkrug, Petershof, Schützenhof, Lindenhof existieren heute leider nicht mehr. Das mag auch daran liegen, dass die Bauern Jenfeld längst verlassen haben. Mit den Bewohnern der Hochhaussiedlungen kamen auch andere Lokale: Es gibt viele gute griechische Lokale in Jenfeld, viele Döner-Läden, ein paar Italiener. Nachts ist in Jenfeld nicht viel los. Ein paar gemütliche Kneipen wären nicht schlecht.

Ein Rundgang durch die Hochhaus-Siedlungen im östlichen Teil Jenfelds lenkt den Blick auf die sozialen Probleme: Auf den Spielplätzen treffen sich Jugendliche zum Saufen oder zum Drogen-Konsum. Die Oppelner Straße bezeichnen Sozialarbeiter sogar als "Brennpunkt im Brennpunkt".

Das kulturelle Zentrum ist das Jenfeld-Haus in der Charlottenburger Straße. Viele Jahre hatten sich engagierte Jenfelder für ein Bürgerhaus eingesetzt, 1991 wurde es eröffnet. Das Jenfeld-Haus liegt nicht nur zwischen alten Dorfhäusern und den Hochhäusern - es symbolisiert auch selbst die Verbindung zwischen Alt und Neu.

In der "Weißen Villa" ist die Verwaltung des Bürgerhauses untergebracht, daneben steht der moderne Anbau mit einem großen Veranstaltungssaal. Im Jenfeld-Haus treffen sich die Senioren zum Frühstück, Integrationskurse finden hier statt, es gibt Tanz-Gruppen, ein Orchester und eine Zirkusschule. "Jenfeld ist ein Stadtteil auf Augenhöhe. Die Leute sind auf dem Teppich geblieben", sagt der Geschäftsführer des Jenfeld-Hauses, Olaf Schweppe.

Treffpunkt "Jenfelder Kaffeekanne"

Wichtig für den Stadtteil sind zwei weitere kulturelle Einrichtungen: das "Malhaus" an der Kelloggstraße, in dem die Jenfelder unter Anleitung von Künstlern malen, töpfern und nähen können. Und das Nachbarschaftszentrum "Jenfelder Kaffeekanne" an der Oppelner Straße, in der sich gebürtige und nicht gebürtige Jenfelder treffen.

Ein Stadtteil im Stadtteil befindet sich auf dem Gelände der ehemaligen Douaumont-Kaserne am Holstenhofweg: die Helmut-Schmidt-Universität. 1972 wurde sie als "Hochschule der Bundeswehr Hamburg" gegründet, seit 2003 trägt sie den Namen des Altkanzlers. Fast 3000 Studierende und 900 Uni-Bedienstete arbeiten hier - damit ist die Uni die größte Dienststelle der Bundeswehr in Hamburg.

Seit 2001 sind Frauen zum Studium an der Bundeswehr-Uni zugelassen. Von den Jenfeldern wird das große Areal jedoch kaum als Teil ihres Stadtteils angesehen - was auch daran liegen mag, dass das Gelände am äußersten Zipfel von Jenfeld liegt.

Im Norden wächst auf dem Gelände der ehemaligen Lettow-Vorbeck-Kaserne ein neues Stadtquartier mit 770 Wohneinheiten: die Jenfelder Au. Die Stadt will Familien verschiedener Generationen, Nationalitäten und Einkommensverhältnisse nach Jenfeld locken. Die Stadtteilkonferenz - und damit die Bürger - waren in die Planung eingebunden. Das neue Wohnviertel soll eine Verbindung sein zwischen dem alten und dem neuen Jenfeld. Und der Beweis dafür, dass sich Jenfeld immer wieder neu erfindet.


Jenfeld historisch

Die Geschichte Jenfelds ist nicht nur abwechslungsreich, sondern auch typisch für den Wandel eines Dorfes zum Stadtteil. Um 1340 hatte der Ritter Lambert Struss mehrere der Höfe des Dorfes „Yelevelde“ an das Kloster Reinbek verkauft. Jenfeld blieb damit bis zur Reformationszeit abhängig vom Kloster. Die Namen der Jenfelder Einwohner, die sich in Urkunden aus dem späten 15. Jahrhundert finden, könnten aus unserer Zeit stammen, sie lauten unter anderem Bruns, Hinsch und Haverbeck.

1781 wurde Jenfeld als eines der ersten Dörfer im Amt Reinbek „verkoppelt“ – das heißt: Das gesamte Dorfgebiet wur de vermessen und mit einem neuen Wegenetz versehen. Danach unterteilte man Ackerland und Wiesen mithilfe unzähliger Knicks in Koppeln, die unter den Bauern aufgeteilt wurden. Damit gab es erstmals Landeigentum in Jenfeld – für Bauern wie Fritz Soltau, Johannes Eggers und Hans Bohlen. Die neuen Koppeln bildeten mit ihrem Wegenetz den Grundriss für die weitere Entwicklung des Dorfes – und das für mehr als 150 Jahre.

Jenfelds Bauern mussten viel aushalten

Im Großen Nordischen Krieg um die Vorherrschaft im Ostseeraum und während der Franzosenzeit mussten die Jenfelder Bauern eine Menge aushalten. 1806 und 1807 gab es im Raum Rahlstedt mehrere Gefechte zwischen Franzosen und Russen – stellenweise wurde die Gegend völlig verwüstet. Dann brachen endlich friedliche Zeiten an – und der Genuss kam auch nicht zu kurz. 1863 erhielt der Jenfelder Bauer Rudolf Pünjer die Genehmigung „zur Betreibung des Bierbrauens und der Krügerei“. Sein Lindenhof am Öjendorfer Damm blieb 112 Jahre bestehen und wurde erst 1975 abgerissen.

1903 erwarben Grundstücksgesellschaften zwei der Bauernhöfe – Beginn des Wandels vom Bauerndorf zur Vorstadtgemeinde. Laut Volkszählung hatte Jenfeld um 1900 genau 424 Einwohner, 449 Obstbäume und drei Gastwirtschaften. Die Zahl der Schüler nahm stark zu, sodass 1904 eine neue, zweiklassige Schule eingerichtet werden musste. Zwei Jahre später erhielt Jenfeld elektrisches Licht, überall wurde massiv gebaut. Anno 1910 gab es nur noch 12 Strohdachhäuser im Ort, im selben Jahr schrieb der örtliche Lehrer in seiner Schulchronik: „Das alte Dorf Jenfeld (1870) konnte man bequem in vier bis fünf Minuten durchschreiten, die jetzige Ausdehnung (1910) verlangt etwa 30 Minuten, und heute benötigt man zur Umgehung des bebauten Gebietes wohl drei Stunden.“

Der Erste Weltkrieg unterbrach die rege Bautätigkeit vor Ort, und die schlechte Verkehrsanbindung bremste dann in den 1920er-Jahren einen schnellen Ausbau. Es dauerte relativ lange, bis Jenfeld verkehrstechnisch besser erreichbar war: 1926 richtete der Fuhrunternehmer Griem einen regelmäßigen Busverkehr zwischen Barsbüttel und Wandsbek ein, 1927 wurden die Gemarkungen Tonndorf und Jenfeld in die Stadt Wandsbek eingemeindet.

Ein anderes Kapitel in Jenfelds Geschichte: 1907 hatte das Rauhe Haus von Jenfelder Bauern ein großes Stück Land gekauft und darauf den Holstenhof errichtet. Die „Zöglinge“ des Rauhen Hauses betrieben auf dem Gelände Ackerbau, Vieh- und Milchwirtschaft und Obstbau. Später erwarb Wandsbek den Holstenhof, der dann unter anderem als Waisenhaus und Altersheim genutzt wurde.

1943 flüchteten viele Hamburger nach Jenfeld

Der Bau der ersten gut befestigten Straßen um 1935 stand übrigens im Zusammenhang mit der Errichtung der drei Kasernen, die noch jahrelang das Erscheinungsbild mitprägten. Es waren die Douaumont-Kaserne auf dem Gelände des ehemaligen Exerzierplatzes der Wandsbeker Husaren sowie die Lettow- Vorbeck- und die Estorff-Kaserne zwischen Jenfeld und Tonndorf.

1943 flüchteten viele ausgebombte Hamburger nach Jenfeld, wo die Bauern Pachtland für Behelfsheime zur Verfügung stellten. Etliche einfache Siedlungen entstanden dort binnen kurzer Zeit aus großer Not heraus, und so mancher Schrebergarten wurde zum Wohnhaus umgebaut – auf Dauer. 1954 bekam Jenfeld endlich eine Straßenbahn – die 16 aus Richtung Hagenbecks Tierpark. Schon sechs Jahre später verschwand die Bahn wieder – angeblich ist eine Busverbindung sinnvoller. Noch in den 1960er-Jahren gab es in Jenfeld viele geradezu ländliche Ecken, doch die großen Wohnungsbaugesellschaften hatten die Gegend längst ins Visier genommen.

von Redaktion hamburgerimmobilien.de am 20.09.2018