Langenhorn - Naturnah, entspannt und lebendig

Markt Haltestelle
Marcelo Hernandez

 

Wandern, baden und Schwarzwälder Flair: Die Sommerfrische liegt hier vor der Tür.

 

Fläche in Quadratkilometer: 13,8
Einwohner: 45.586
Wohngebäude: 9264
Wohnungen: 21.100
Immobilienpreise Grundstücke in Euro/Quadratmeter: 332
Immobilienpreise Eigentumswohnungen in Euro/Quadratmeter: 3450
(Quelle: Statistisches Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein, Stand 2016/2017)

 

Junge Birken wiegen sich im Wind, ein Habicht zieht hoch am Himmel seine Kreise, und auf einer Lichtung äsen friedlich drei Rehe. Nein, dies ist keine Szene aus einer kitschigen Naturdokumentation, dies ist Langenhorn. Jedenfalls ein wichtiger Teil der ehemaligen Landgemeinde im Norden Hamburgs.


Vor 200 Jahren erstreckte sich ein dichter Wald mit vielen Mooren über ganz Langenhorn; Reste davon sind immer noch zu sehen -- echteOasen der Stille am Rande der Metropole. Etwa das Raakmoor mit seinen Wanderwegen und einem Rückhaltebecken, das in strengen Wintern zur Eislaufbahn wird.


Hier ist die Welt noch in Ordnung, gibt es Füchse und Hasen, klopfen Spechte und flirren im Sommer Libellen durch die Luft. Oder der kilometerlange Wanderweg entlang der Tarpenbek, der von Ochsenzoll in Richtung Flughafen führt: ein Traum für Läufer wie Hundebesitzer, die sich übrigens selten in die Quere kommen. Man freut sich einfach gemeinsam, das Plätschern des Baches und den Anblick des hier seit Jahren beheimateten Graureihers ungestört genießen zu können.


Urlaub im Kleingarten


Eine Naturverbundenheit der Langenhorner, die sich auch in den 21 Kleingartensiedlungen des Stadtteils ausdrückt -- mit zahllosen Parzellen ganz individuellen Zuschnitts. Da finden sich sorgsam angelegte Teiche mit Goldfischen und kleinen Fröschen, wogende Blumenbeete und Apfelbäume, da werden Tomaten gezogen und Kräutergärten gepflegt. Ein Idyll, in dem mancher seinen Sommerurlaub verbringt.


Und sich zwecks Abkühlung immer mal wieder ins Naturbad Kiwittsmoor begibt. Ein Freibad an der Hohen Liedt, das bereits 1934 eröffnet wurde, sich aus unbeheiztem Brunnenwasser speist und sich trotz der Konkurrenz des Arriba-Erlebnisbades im nahen Norderstedt immer noch großer Beliebtheit erfreut. Hier gibt es keine Spaßrutschen oder Thermen, dafür ungechlortes Wasser, einen Holzsteg, von dem aus sich die Kinder und Jugendlichen des Stadtteils gegenseitig ins Wasser schubsen, eine Minigolfanlage alten Stils und eine Pommesbude, an der sich für kleines Geld der Schwimmhunger stillen lässt. Das Beste: Auch an den heißesten Sommerwochenenden findet sich auf dem großen Areal immer noch ein schattiges Plätzchen.


Doch Langenhorn hat mehr zu bieten als "nur" Natur -- etwa die Anbindung zum nahen Flughafen, Fluch und Segen zugleich. So hält der 292er-Bus, der von der U-Bahn-Station Ochsenzoll aus den Stadtteil in südlicher Richtung durchquert, direkt vor den Terminals; vom Langenhorner Markt aus gerade mal eine zehnminütige Fahrt. Wer jedoch in der Einflugschneise wohnt, kennt die Schattenseite: Bei Fußballspielen des SC Alstertal-Langenhorn auf dem Sportplatz Siemershöh an der Langenhorner Chaussee kommen die Maschinen teilweise im Minutentakt und fliegen hier bereits so tief, dass beinahe das Gesicht des Piloten zu erkennen ist.


Echter Lärmterror, von dem nur ein paar Steinwürfe weiter, auf dem Langenhorner Markt, aber schon so gut wie nichts mehr zu hören ist. Hier schlägt das Einkaufsherz des Stadtteils, nicht nur weil neben einigen Supermärkten auch viele kleine Läden angesiedelt sind, sondern vor allem wegen des großen Wochenmarkts, der dienstags und sonnabends zum Zentrum des Stadtteils wird. Manch ein Klönschnack entwickelt sich hier zwischen frischen Fischen und Bioobst, zwischen sauren Fassgurken und Honig vom Imker.


Die Jugend forscht besonders eifrig


Das Bild dieses Stadtteils wird mitgeprägt von den vielen Wohnsiedlungen. Besonders bekannt: die Fritz-Schumacher-Siedlung, in den 1920er-Jahren gegründet, damals mit dem Ziel, ihren Bewohnern Selbstversorgung zu ermöglichen -- deshalb die großen Gärten, in denen nicht nur Obst und Gemüse angepflanzt, sondern auch Geflügel gehalten wurde. Ebenfalls sehenswert ist die Schwarzwaldsiedlung an der Essener Straße, ab 1938 errichtet, um den zum Großteil aus Süddeutschland stammenden Mitarbeitern der Deutschen Messapparate GmbH im Norden ein Heimatgefühl zu vermitteln. Heute stehen die kleinen Eigentumswohnungen unter Denkmalschutz.


Zeugen der Vergangenheit sind auch die beiden Krankenhäuser, das AK Ochsenzoll und das AK Heidberg (heute zusammengefasst zur Asklepios-Klinik Nord): Während das AK Ochsenzoll als "Landesirrenanstalt" am Rande Hamburgs ein Schauplatz des nationalsozialistischen Euthanasie-Programms war und später Berühmtheit durch hier weggesperrte psychopathische Straftäter wie Fritz Honka und "Heidemörder" Thomas Holst erlangte, war das AK Heidberg ab Ende der 30er-Jahre zunächst eine Kaserne der Waffen-SS, woran heute ein Hinweisschild am Eingang erinnert.
Dunkle Kapitel der Stadtteilgeschichte, zu der auch gehört, dass sich in Langenhorn ein Außenlager des KZ Neuengamme befand und osteuropäische Frauen hierher verschleppt wurden, um Zwangsarbeit für den Rüstungsbetrieb Hamburger Kettenwerke zu verrichten.


Ein Thema, über das in den Langenhorner Schulen gesprochen wird, wobei die über die Stadtteilgrenzen hinaus wohl bekannteste Schule, das Gymnasium Heidberg, etwas andere Schwerpunkte setzt: Hier spielen Leistungssport und naturkundliche Forschungsprojekte eine herausragende Rolle. So gehören neben den Ex-HSV-Spielern Thomas von Heesen und Richard Golz auch der ehemalige St.-Pauli-Torwart Benedikt Pliquett und die ehemalige Fußball-Nationalspielerin Kim Kulig zu den Absolventen. Zudem sind seit 1979 mehr als 250 Beiträge zum Wettbewerb"Jugend forscht" am Heidberg entstanden, darunter bundesweit stark beachtete Forschungen zur Vulkanologie.


Kunst im Valvo-Park


Ansonsten aber besitzt Langenhorn nur geringe Außenwirkung. Touristen verirren sich kaum einmal in diesen Stadtteil, die Szene ist hier nicht zu Hause, auch wenn mit Slime und Razzia zwei wichtige Punkbands in den späten 70er-Jahren in Langenhorn ihren Anfang nahmen. Immerhin: Der Verein Kettenwerk unterhält im Valvo-Park an der Essener Straße neun Künstlerateliers und Ausstellungsflächen für freie Malerei, Zeichnung und Objektkunst, Literatur und Illustration, Bildhauerei und Fotografie.


Jeweils am ersten Februarwochenende finden "Tage des offenen Ateliers" statt. Und dann ist da noch das ella Kulturhaus am Käkenflur, eine Institution mit regelmäßigem Kleinkunstprogramm und umfangreichem Mitmachangebot von der Theatergruppe bis zur Malwerkstatt. Viel mehr gibt's nicht und muss vielleicht auch nicht sein in einem Stadtteil, der in erster Linie Wohnquartier ist und an vielen Stellen so sehr im Grünen liegt, dass niemand verwundert sein kann, wenn ihm auf dem Bürgersteig in der Fibigerstraße am frühen Morgen ein Reh begegnet.


Langenhorn historisch

Altbundeskanzler Helmut Schmidt lebte rund 50 Jahren in diesem Stadtteil und hat ihm ein wenig an weltpolitischer Bedeutung verliehen. „Dort, wo wir heute wohnen, haben wir früher noch die Kühe weiden sehen“, erinnerte sich Schmidt in einer Langenhorn-Chronik, auch habe man zu seiner Kinderzeit beiderseits der Tangstedter Landstraße am Horizont „den Porst des Raakmoores in der Abendsonne leuchten sehen“.


Einige Jahrhunderte zuvor ging es in dem 1283 erstmals erwähnten Dörfchen sogar noch beschaulicher zu. 1803 wurden bei 86 „Haushaltungen“ 413 Einwohner gezählt, außerdem 106 Pferde, 226 Kühe und 147 Schweine. Während der Franzosenzeit hatte Langenhorn, genau wie viele andere Dörfer und Gemeinden im Umkreis Hamburgs, zum Beispiel Rahlstedt, Bahrenfeld, Moorburg oder Fuhlsbüttel, schwer zu leiden.


Danach war Langenhorn für viele Jahre ruiniert und seine Bewohner demoralisiert. Erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts ging es langsam wieder bergauf. Mitte des 19. Jahrhunderts hatte das lang gezogene Dorf rund 895 Einwohner, fast alle lebten von der Landwirtschaft, einige waren auch als Handwerker und Gastwirte tätig.


Von der Hirtenkate zur Süderschule


Im Zuge der fortschreitenden Industrialisierung stieg Hamburgs Bevölkerungszahl zum Ende des 19. Jahrhunderts stark an, was sich überall in der Stadt bemerkbar machte. Schon 1913 erfolgte die Eingemeindung Langenhorns nach Hamburg, und immer mehr ehemals landwirtschaftlich genutzte Flächen wurden nun für den Haus- und Wohnungsbau verplant. 1919 hatten noch 3000 Menschen in Langenhorn gelebt, 1925 waren es bereits 7700, fünf Jahre später mehr als 10.000.


1886 war die Süderschule an der Langenhorner Chaussee eröffnet worden, nachdem Langenhorns Kinder viele Jahre in einer einfachen Hirtenkate am Tannenweg unterrichtet worden waren. 1918 wurde der Bahnhof Langenhorn Mitte erstmals von einer Dampflok angerollt, ab 1921 fuhr die Bahn elektrisch.


Nicht zuletzt die Hochbahnverbindung führte zu einer noch stärkeren Besiedelung: Im Süden entstand von 1913 an die Siedlung Siemers Höh, die auf den Unternehmer und Mäzen Edmund Siemers zurückgeht, im Norden schuf Fritz Schumacher in den Jahren 1919 bis 1921 die Kleinhaussiedlung Langenhorn, die 1949 nach ihm benannt wurde.


Gerade hier lebten auch viele Arbeiter und einfache Angestellte, die in Langenhorn wesentlich bessere Lebensbedingungen vorfanden als zum Beispiel in den Wohngebieten am Hafenrand. Langenhorn war, ähnlich wie zum Beispiel Lurup, eine SPD-Hochburg. Es gab hier viele NS-Gegner, und immer wieder wurden Kommunisten und Sozialdemokraten nach 1933 von der Gestapo verhaftet und im KZ Fuhlsbüttel interniert.


Die alten Bauernhöfe wurden abgerissen


Ende der 1930er-Jahre lebten rund 15.300 Menschen in dem Stadtteil. Nach den verheerenden Bombenangriffen auf Hamburg stieg Langenhorns Bevölkerungszahl noch während des Kriegesauf fast 30.000 Menschen an. Dem Bauboom der Nachkriegszeit fielen dann viele historische Bauten zum Opfer – vor allem ehemalige Bauernhöfe entlang der Langenhorner Chaussee.


Es verschwanden die Reste der Langenhorner Mühle, das ehemalige Gasthaus Remstedt, der Eberhof am Eberhofweg, die alte Wegegeld-Einnahmestelle an der Langenhorner Chaussee 63 und die letzte Räucherkate Langenhorns, die an der Tangstedter Landstraße gestanden  hatte. 1893 war die auf der ehemaligen Tannenkoppel erbaute „Irrenanstalt“ Langenhorn als Dependance der entsprechenden Einrichtung Friedrichsberg eröffnet worden, von 1898 an arbeitete sie dann als eigenständige Einrichtung.


Unter dem Motto „Bewegungsfreiheit statt Zwangsjacke“ wurde dort versucht, moderne Therapieansätze zu praktizieren, unter anderem über gemeinsame Wohngruppen. Diese zunächstpositiven Ansätze wurden in der NS-Zeit endgültig pervertiert, als mehr als 2600 der hierher verbrachten Pflegebefohlenen Opfer des Euthanasie-Programms wurden. 1952 integrierte man das Haus in das Allgemeine Krankenhaus Ochsenzoll, heute Asklepios Klinikum Nord.

von Redaktion hamburgerimmobilien.de am 20.09.2018