HafenCity - Hamburgs jüngster Stadtteil

Maritimes Museum Peter Tamm an der Koreastrasse
Andreas Laible/ HA

 

Leben und arbeiten im Modellprojekt: Fast jeder in Hamburgs jüngstem Stadtteil ist ein Pionier.

 

Fläche in Quadratkilometer: 2,4
Einwohner: 3275
Wohngebäude: 78
Wohnungen: 1296
Immobilienpreise Grundstücke in Euro/Quadratmeter: keine Daten
Immobilienpreise Eigentumswohnungen in Euro/Quadratmeter: 6788
(Quelle: Statistisches Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein, Stand 2016)

 

Alles so schön sauber hier. Die Gehwegplatten sind so hell, dass bei Sonnenschein eine Sonnenbrille in der HafenCity empfehlenswert ist. Dazu das glitzernde Wasser. Typisch ist auch dieser Wind, der zwischen den Häusern entlangdüst. Ist in Eimsbüttel im Sommer T-Shirt-Wetter, darf in der HafenCity der Pullover nicht fehlen. Hamburgs jüngster Stadtteil unterscheidet sich eben in vielerlei Hinsicht von den alten Quartieren. Dreck, Müll, gar Hundekot scheint es nicht zu geben. Noch nicht. Und die Hügellandschaft ist mehr als eine grüne Wiese. Sie heißt, vielleicht ein wenig großspurig, Sandtorpark.

Großveranstaltungen wie die Hamburg Cruise Days und das Getöse um die Ankunft der "Queen Mary 2" strapazieren die Bewohner manchmal arg. Sicherlich, wer hierherzieht, weiß, was ihn erwartet. Dennoch möchten manche weniger Show. Der Stadtteil mit dem großen C im Namen war einmal und ist immer noch ein Projekt. Doch längst wird in dem Viertel zwischen Elbe, Altstadt und Elbbrücken eben auch gelebt, besonders in dem Teil um die Straße Kaiserkai mit den Restaurants, Geschäften und Wohnungen in Richtung Überseeboulevard.

Der Parkplatzmangel ist gewollt

Manchmal wird das Leben der Menschen, die hier tatsächlich wohnen, fast übersehen. In der Woche prägen Männer in Anzügen und Frauen in Kostümen das Bild auf den Straßen und in den Restaurants beim Mittagessen. Am Wochenende kommen die Touristen und die übrigen Hamburger zum Bummeln und zum Gucken. Sie scheinen stolz auf ihre HafenCity zu sein und führen auswärtigen Besuch gern herum und flanieren.

Ein typisches Bild sind deshalb Menschen mit einer Kamera um den Hals, die mit ausgestrecktem Arm und Zeigefinger auf Bauwerke zeigen. Viele von jenen, die nur zu Besuch sind, äußern sich begeistert über das Flair, um dann aber gleich hinzuzufügen: "Wohnen möchte ich hier nicht, das ist zu steril." Die HafenCity sei ein überdimensionales Neubaugebiet ohne Grün. Dabei ist das Grün der HafenCity das Wasser. Basta! Die Architektur sei langweilig und eintönig, ist auch so eine Meinung von vielen. Kaum ein anderer Stadtteil wird so kritisch beäugt.

Bis 2025 soll der Stadtteil fertig sein

Er ist eben ein Modellstandort mit innovativen Ideen. So gibt es keine Fahrradwege. Stattdessen sind die Promenaden und breiten Gehwege für Radfahrer und Fußgänger gleichermaßen. Autos parken zumeist in Tiefgaragen. Wer klug ist, kommt mit dem Rad und öffentlichen Verkehrsmitteln, denn Parkplätze sind Mangelware. Das ärgert manche Autofahrer, tut dem Straßenbild aber gut. Bis 2025 soll der Stadtteil fertiggestellt sein, 10,5 Kilometer Promenade an der Wasserkante sollen es einmal sein.

Bereits 1991 hatte der damalige Erste Bürgermeister Henning Voscherau inoffiziell den Auftrag erteilt, die Umwandlung des innerstädtischen Hafenrands zu prüfen. Am 29. Februar 2000 schrieb der Senat mit dem an diesem Tag verabschiedeten Masterplan für einen neuen innerstädtischen Stadtteil Geschichte. Die westlichen Quartiere haben sich schon als Wohn- und Arbeitsort etabliert.

Mehr als eine Spielwiese der Reichen

Vielen gilt das Gebiet als Spielwiese der Reichen. Noch so ein Klischee. Sinnbild dafür ist auch der 17-stöckige Marco-Polo-Tower. Wer sich dort eine der luxuriösen Eigentumswohnungen gönnen will, zahlt für den Quadratmeter mehr als 10.000 Euro. Es ist ein Stadtteil der Doppelverdiener, derjenigen, die sich montags morgens mit ihren Rollkoffern auf den Weg zum Flughafen oder zum Bahnhof machen, um woanders in Deutschland und weltweit zu arbeiten und Geld zu verdienen.

Am Wochenende kommen sie dann zurück in die HafenCity, die für viele Zweit- oder Drittwohnsitz ist. Es ist auch ein Stadtteil der alleinstehenden beruflich Erfolgreichen, die sich in den neu gebauten Wohnungen mit den großen Fensterfronten (mit Glück auch Elbblick inklusive) eingerichtet haben. Manche in Wohnungen, die von Designern gestaltet worden sind, andere in Objekten der Hamburger Wohnungsbaugenossenschaften. Die Mehrzahl der Bewohner gehört wohl zum Mittelstand. Auch Rentner und Frührentner leben hier.

Und es ist auch und immer mehr der Stadtteil der Familien, die sich in Bauherrengemeinschaften und Wohnprojekten wie Nidus und Hafenliebe zusammentun, um in einer familienfreundlichen Umgebung zu wohnen. Die sich ihre eigene wohlige Welt schaffen. Diese Familien, die aus Eimsbüttel, Ottensen oder St. Pauli kommend das Abenteuer HafenCity eingehen, finden hier ein fast beschauliches Leben, in dem sich die Kinder in geschützten und stetig grüner werdenden Innenhöfen frei bewegen. Weil es kaum zugeparkte Nebenstraßen gibt, dafür aber breite Bürgersteige und Uferpromenaden, lassen Eltern ihren Kindern viel Freiraum.

Aufbruchstimmung allgegenwärtig

Die HafenCity umgibt ein ganz besonderer Geist, es herrscht eine Aufbruchstimmung. In gewissem Sinne ist hier jeder ein Pionier, weil er die Chance hat, einen Stadtteil von Anfang an mitzugestalten. Im Verein Netzwerk HafenCity e. V. arbeiten die Bewohner in Arbeitsgemeinschaften an Themen wie Verkehr, Soziales, Ökologie. Sie mischen sich ein, auch wenn es darum geht, Plätze und Straßen zu benennen. Die Sandtorhafenklappbrücke an der Elbphilharmonie wurde in Mahatma-Gandhi-Klappbrücke unbenannt. Das gefällt vielen Anwohnern nicht. Sie wünschen sich mehr Bodenständigkeit.

Die Bewohner der ersten Stunde kennen ihren Stadtteil noch als reine Baustelle. Bis August 2011 gab es noch nicht einmal einen Supermarkt. Inzwischen aber hat die HafenCity alles, was zu einer vernünftigen Infrastruktur gehört: Läden, Cafés, Restaurants, Ärzte. Aber noch immer wird gebaut. Die bekannteste Baustelle war viele Jahre die Elbphilharmonie, der Eröffnung fieberten auch die Gewerbetreibenden entgegen. Dabei ist sie längst nicht die einzige Attraktion. Sehenswert sind das Maritime Museum, das Miniaturwunderland, das Speicherstadtmuseum und der Traditionsschiffhafen. Die schönste Attraktion aber bleibt die Elbe.


HafenCity historisch

Neue Stadtteile zu erschaffen ist im Grunde nichts Ungewöhnliches. Mal entstehen sie durch Neuzuschnitte und Umbenennung bestehender Quartiere, wie zum Beispiel Sternschanze, mal werden sie als Neubaugebiete hochgezogen und frisch getauft – Neuallermöhe ist so ein Beispiel. Einen ganz neuen Stadtteil in einem bestehenden (Innen)- Stadtbereich zu kreieren ist allerdings höchst ungewöhnlich. Das geht nur, wenn man die schon bestehende Landfläche erweitern kann.

Genau darum ging es, als der damalige Hamburger Bürgermeister Henning Voscherau 1997 bei einem Vortrag im Übersee-Club erstmals die komplette Neubebauung des Grasbrooks bekanntgab und eine Machbarkeitsstudie vorstellte. Die ehemalige Insel Grasbrook hatte lange vor den Toren der Stadt gelegen. Die Westspitze war noch im 15. Jahrhundert als Richtplatz genutzt worden – auch Klaus Störtebeker fand hier bekanntlich sein Ende.

Innerhalb der Stadtmauern lagen Mitte des 19. Jahrhunderts die Wohngebiete Kehrwieder und Wandrahm. Nach Aufhebung der Torsperre und Niederlegung der Stadtmauern wurde sofort eine Vergrößerung des Hafens in Angriff genommen. 1868 legte man zunächst den Sandtorhafen an. Weitere Hafenanlagen folgten, darunter Brooktorhafen und Magdeburger Hafen. 1886 war bereits der ganze Grasbrook bebaut.

Kehrwieder und Wandrahm wurden rigoros abgerissen

Für die Einrichtung des Freihafens und den Bau der Speicherstadt wurden ab 1883 die traditionsreichen Stadtviertel Kehrwieder und Wandrahm rigoros abgerissen. 20.000 Menschen verloren ihre Heimat und mussten umgesiedelt werden. Schon 1888 war die Speicherstadt fertig, auch der Kaispeicher B stand bereits. Dieser Rückblick zeigt: Die Stadterweiterung in Richtung Elbe hat eine gewisse Tradition, auch wenn es vor 1900 ausschließlich darum ging, Flächen für Gewerbe und Industrie, Lagerhäuser und Hafenbecken zu schaffen.

Die Planungen der späten 1990er-Jahre knüpften wieder an diese Tradition an, allerdings wollte man jetzt den umgekehrten Weg gehen: Das Wohnen und Flanieren in einem lebenswerten Quartier sollte quasi in den Hafen zurückgeholt werden. Außerdem waren natürlich mal wieder jede Menge Büros geplant. Am 20. August 1997 beschloss die Bürgerschaft die Errichtung einer Hafencity – Startschuss für die Bebauung und zugleich Festschreibung des neuen Namens (wenn auch in anderer Schreibweise).

Voscherau und seinen Mitstreitern war es in schwierigen Verhandlungen gelungen, wichtige Immobilien für die Stadt zu sichern. Danach hatten die zuständigen Behörden ein Masterplan- Konzept vorgelegt, in dem der Bau des neuen Stadtteils durchgespielt wurde. Es folgte ein städtebaulicher Wettbewerb, bei dem acht Architekturteams ihre Vorstellungen einer Hafencity entwickelten. Damit war die Grundlage für den Masterplan geschaffen, in dem das Projekt den letzten Schliff bekam. Voscherau-Nachfolger Ortwin Runde war es dann, der diesen Plan im Herbst 1999 öffentlich vorstellte.

Wohnungen, Büros und die Altenwerder-Finanzierung

Die wichtigsten Eckdaten: Das neue Gebiet sollte rund 155 Hektar umfassen, davon 55 Hektar Wasserfläche. Als Kosten veranschlagte der damalige Wirtschaftssenator Thomas Mirow 461 Millionen Mark. Auf der Landfläche sollten rund 1,5 Millionen Quadratmeter Bruttogeschossfläche gebaut werden. 5500 Wohnungen für 12.000 und Arbeitsplätze für 20.000 Menschen waren das Ziel.

Mit dem Erlös aus dem Verkauf der Grundstücke an Investoren, so ein weiterer Teil der Planung, sollte die Erschließung Altenwerders als Hafenerweiterungsgebiet finanziert werden. Das Hamburger Abendblatt kommentierte damals: „Es gehört nicht viel dazu, vorherzusagen, dass die HafenCity in nicht allzu ferner Zukunft zu den bevorzugten Lagen und Adressen Hamburgs gehören wird. Das Boot vor der Tür, der Blick auf die Elbe und die Skyline der Stadt – das hat was. Aber es wird seinen Preis haben.“ Ende April 2000 wurde der Schuppen 4/5 am Sandtorkai abgerissen. Die Zeitungen meldeten, nun die neue und endgültige Schreibweise benutzend: „HafenCity: Der Bau beginnt“.

von Redaktion hamburgerimmobilien.de am 20.09.2018