Hamburg-Altstadt - Das Zentrum der Stadt

Domplatz und St. Petrikirche in Hamburg
Christian Ohde

 

Wo die Bürger ihren Meister finden und das einst höchste Bauwerk der Welt steht. Im Stadtteil Hamburg-Altstadt ist das Zentrum der Stadt.

 

Fläche in Quadratkilometer: 1,3
Einwohner: 2257
Wohngebäude: 98
Wohnungen: 1340
Immobilienpreise Grundstücke in Euro/Quadratmeter: keine Daten
Immobilienpreise Eigentumswohnungen in Euro/Quadratmeter: 4113
(Quelle: Statistisches Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein, Stand 2016)

 

An einem schönen Frühlingstag auf dem Rathausmarkt kann man es schlagen hören, das Herz der Stadt. Pärchen sitzen auf den Stufen am Reesendamm, Schwäne paddeln gemächlich über die Kleine Alster, und von der Schleusenbrücke wehen die Klänge eines Saxofons oder Akkordeons herüber. Hier befindet sich ohne Zweifel das Zentrum Hamburgs. Die Altstadt ist nicht nur die Wiege der Elbmetropole, sondern mit drei von fünf Hauptkirchen, der Kunstmeile, den großen Einkaufsstraßen und dem Rathaus auch der kulturelle, wirtschaftliche und politische Mittelpunkt.

Im Rathaus entscheiden sich die Geschicke der Hansestadt - und in gewisser Weise spiegelt schon seine Entstehung die bis heute langwierigen politischen Abstimmungsprozesse. Volle 55 Jahre mussten die Hanseaten im 19. Jahrhundert nämlich auf eine neue Regierungszentrale warten, nachdem das Alte Rathaus während desGroßen Brands gesprengt worden war.

Die zuständigen Architekten und Politiker konnten sich einfach nicht auf den richtigen Baustil einigen. Als das Gebäude 1897 endlich eingeweiht wurde, war es mit elf Millionen Goldmark auch noch fast doppelt so teuer geworden wie geplant - damals wie heute ist das offenbar keine Seltenheit bei großen Bauvorhaben.

Erst das Geld, dann die Macht

Dafür ist das symmetrische Gebäude mit seinen 647 Räumen nun der Stolz der Hamburger. Wer die öffentliche Rathausdiele betritt, bemerkt gleich die Struktur des Doppelhauses - auf der linken, bescheideneren Seite die Bürgerschaft, auf der rechten, prunkvolleren der Senat. Insbesondere der Pomp des Großen Festsaals mit seinen tonnenschweren Kronleuchtern lässt viele Besucher mit offenen Mündern zurück. Und erklärt vielleicht, weshalb manch Erster Bürgermeister eine leicht monarchische Haltung annimmt, sobald er in das Hohe Haus einzieht.

Wie eng in Hamburg die Verbindung zwischen Politik und Wirtschaft ist, zeigt sich daran, dass sich die Börse direkt an das Rathaus schmiegt und mit ihm einen gemeinsamen Innenhof hat. Allerdings verweist man in der Handelskammer, die heute in dem klassizistischen Bau von Carl Ludwig Wimmel sitzt, gern darauf, dass die Börse weitaus früher fertig war als das Regierungszentrum. Mit Aktien gehandelt wird im Börsensaal schon längst nicht mehr. Stattdessen wird der Raum für Messen, Hauptversammlungen oder Ausstellungen genutzt.

Alte Mauern zum Kaffee

Wenn der Rathausmarkt das aktuelle Zentrum der Stadt ist, dann ist der Domplatz der historische Mittelpunkt, so etwas wie Hamburgs Wiege. Lange Zeit wurde hier der Standort der legendären Hammaburg vermutet, Gründungszelle und Namensgeberin der Stadt. Diese fanden die Archäologen zwar nicht, dafür aber die Überreste der Domburg, einer im 9. oder 10. Jahrhundert erbauten Wallanlage zum Schutz des erzbischöflichen Mariendoms.

Die nur wenige Meter entfernte Filiale von Dat Backhus am Speersort ist übrigens Hamburgs "historisch wertvollste" Bäckerei. In ihrem Keller versteckt sich nämlich ein Café, in dem man die Fundamente des Bischofsturms aus dem 12. Jahrhundert bestaunen kann, des ältesten erhaltenen Steingebäudes der Altstadt.

Die meisten Hamburger dürften die Altstadt wohl vor allem aus einem Grund aufsuchen: zum Einkaufen. Ob in der Mönckebergstraße, in der Spitalerstraßeoder in der extravaganten fünfstöckigen Europa-Passage - überall geben die Filialisten den Ton an. Traditionsreiche Geschäfte wie das Technikkaufhaus Brinkmann haben hingegen schon vor Jahren angesichts der Konkurrenz kapitulieren müssen. Dennoch gibt es sie bis heute, die alteingesessenen Hamburger Geschäfte wie zum Beispiel den Juwelier Wempe an der Spitalerstraße oder das Wäschehaus Möhring am Großen Burstah.

Der Behüter des Altkanzlers

Kleine Geschäfte wie der Schallplattenladen Michelle Records am Gertrudenkirchhof stemmen sich mit ungewöhnlichen Ideen wie Schaufensterkonzerten gegen die großen Wettbewerber.

Wer vom Trubel der Mönckebergstraße entspannen möchte, braucht nur die paar Schritte bis zur Hauptkirche St. Petri zu gehen. Die ihrer Gründung nach älteste Pfarrkirche Hamburgs empfängt den Besucher mit einem schlichten, kühlen Inneren. In einem kleinen Raum der Stille treffen sich Gläubige regelmäßig für ein kurzes Mittagsgebet.

An den schrecklichen Teil der Hamburger Geschichte mahnt die ehemalige Hauptkirche St. Nikolai am Hopfenmarkt, von der nach den Luftangriffen 1943 nur noch der rußgeschwärzte Turm übrig geblieben ist. Seit dem Jahr 2005 führt ein gläserner Fahrstuhl zu einer Aussichtsplattform auf 76 Meter Höhe. Mit 147 Metern war St. Nikolai übrigens nach der Fertigstellung 1874 drei Jahre lang das höchste Gebäude der Welt.

Künstlerisch wertvoll

Kulturinteressierte haben reichlich Auswahl in der Altstadt. Großes Theater im Thalia oder doch lieber zum heimeligen Theaterschiff am Nikolaifleet? Alte Meister in der Kunsthalle, die Moderne im kühlen Kubus der Galerie der Gegenwart oder zeitgenössische Fotografie in den Deichtorhallen? Wesentlich kleiner, aber dafür auch überschaubarer ist das Bucerius Kunst Forum am Rathausmarkt, das mit mehreren Ausstellungen jährlich lockt.

Auch wenn sie gegenüber Touristen und Einkaufslustigen eindeutig in der Minderheit sind - es gibt Menschen, die in der Altstadt wohnen. Im Schatten der dritten Hauptkirche St. Katharinen, entlang der Reimerstwiete, findet sich ein erstaunlich ruhiger Hinterhof, in dem Kirschbäume blühen und Vögel zwitschern.

Abends dann kehren die Bewohner des kleinen Viertels im Weinlokal Schoppenhauer ein. Die urige Atmosphäre in dem alten Fachwerkhaus aus dem Jahr 1633 und der dazugehörige schmale Garten, in den man durch ein geöffnetes Fenster im Erdgeschoss gelangt, machen einen Besuch in diesem Lokal zu einem ganz besonderen Erlebnis.


Hamburg-Altstadt historisch

Wenn wir heute „in die Stadt“ fahren, meinen wir eigentlich den Stadtteil Hamburg-Altstadt zwischen östlicher Binnenalster, Hauptbahnhof und Elbe. Die Keimzelle Hamburgs ist immer noch einer der zentralsten Punkte – unsere City eben. Und so fing dort alles an: Rund um die Hammaburg hatten sich im Laufe der Zeit Kaufleute, Handwerker und Fischer angesiedelt und dort um 830 eine kleine Siedlung gebildet.

Der Benediktinermönch Ansgar gilt als Gründer der bischöflichen Altstadt, die sich daraus entwickelte. Sie lag östlich der noch nicht gestauten Alster, die gleichsam an der Altstadt vorbeifloss. Auf der anderen Seite des Flusses befand sich etwas weiter südlich die Neue Burg, ein Ringwall, dessen Umgebung die Schauenburger Grafen im 12. Jahrhundert eindeichen und besiedeln ließen. Daraus entstand die gräfliche Neustadt (gegründet um 1186).

Im Laufe des 13. Jahrhunderts folgte die Zusammenlegung der beiden zunächst selbstständigen Städte zur Stadt Hamburg. Aus der bischöflichen Altstadt wurde später das Kirchspiel St. Petri, aus der gräflichen Neustadt das Kirchspiel St. Nikolai.

Der Große Brand verändert die Altstadt

An der Nahtstelle wurden das alte Rathaus, die Börse und das Gericht erbaut. Dort liegt der Kern des heutigen Stadtteils Altstadt, aber die historische Neustadt rund um St. Nikolai ist nicht mit dem Stadtteil Neustadt identisch. Ein Zeitsprung: Als die Stadt im 17. Jahrhundert mit einem neuen Festungsgürtel umgeben wurde, legte man diesen quer durch die von den Stadtmühlen gestaute Alster und schuf so die Trennung in Außen- und Binnenalster.

Der nordwestliche Zipfel der Altstadt ähnelte nun schon etwas mehr dem heutigen Erscheinungsbild. Die Gestaltung der „City“, wie wir sie heute noch kennen, stammt aber erst aus dem 19. Jahrhundert. Nach dem Großen Brand von 1842, der rund ein Drittel der Innenstadt in Schutt und Asche gelegt hatte, mussten ganze Straßenzüge in der Umgebung der Binnenalster völlig neu gebaut werden.

Statt verwinkelter Fachwerkhäuschen in engen Gassen säumten nun wuchtige Putzbauten die neu angelegten Straßen. Schmuckstück wurde die Kleine Alster mit Wassertreppe, Schleusenbrücke und Alsterarkaden – ein Hauch von nordischem Venedig. Der Brand war so zu einer Initialzündung für die Modernisierung des hamburgischen Zentrums geworden. Aber immer noch gab es in Alt- und Neustadt eng bebaute Gegenden mit zum Teil winzigen Wohnungen und höchst ungesunden Lebensbedingungen: die berühmt berüchtigten Gängeviertel.

Mönckebergstraße und Kontorhausviertel entstehen

Die Choleraepidemie von 1892 machte die unhaltbaren Zustände besonders deutlich und veranlassten Senat und Bürgerschaft, neue Sanierungsgebiete auszuweisen. Eine wichtige Rolle spielte dabei der Bau der 30 Meter breiten Mönckebergstraße in den Jahren 1908 bis 1911, für die eine Schneise vom Rathausmarkt bis zum 1906 eingeweihten Hauptbahnhof geschlagen wurde. Mit diesem Projekt sollte die Citybildung ihren Höhepunkt erreichen.

Schon im März 1910 fuhr die erste Straßenbahn durch die Mönckebergstraße, die von eleganten Geschäften und Kaufhäusern gesäumt war. Die Stadt hatte die benötigten Grundstücke erworben und dann weiterverkauft, um die Infrastrukturmaßnahmen, darunter Straßenbahn- und U-Bahn-Bau, zu refinanzieren. In diesem Zusammenhang wurde in der Altstadt das Gängeviertel zwischen Steinstraße und Niedernstraße, südlich der Jacobikirche, um 1914 komplett abgebrochen.

Auf der Nordseite der Steinstraße entstanden große Bürogebäude, zum Beispiel die Karstadt-Hauptverwaltung. Nach 1920 wurde die Sanierung nach Südosten ausgeweitet. Hier wuchs das in rotem Backstein gehaltene Kontorhausviertel mit Chilehaus und Meßberghof, die beide zwischen 1922 und 24 errichtet wurden. Einige Jahre später folgte der Sprinkenhof, den man in drei Abschnitten zwischen 1927 und 43 erbaute. Damit war die Citybildung weitgehend abgeschlossen.

Neben den Kirchen und einigen älteren Gebäuden, zum Beispiel der Börse und dem Haus der Patriotischen Gesellschaft an der Trostbrücke, hatte zwischen Hauptbahnhof und Elbe noch etwas anderes diesen Modernisierungsschub überstanden: der Name Altstadt. Dabei war damals in diesem Stadtteil so gut wie alles neu.

von Redaktion hamburgerimmobilien.de am 20.09.2018