Hausbruch - Familienfreundlich und naturnah

Hausbruch
HA

 

Internationaler Schmelztiegel in ländlicher Idylle -- mit Resten des einzigen Hamburger Bergwerks.

 

Fläche in Quadratkilometer:11,2
Einwohner: 16.862
Wohngebäude: 2937
Wohnungen: 7172
Immobilienpreise Grundstücke in Euro/Quadratmeter: 238
Immobilienpreise Eigentumswohnungen in Euro/Quadratmeter: 2193
(Quelle: Statistisches Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein, Stand 2016/2017)

 


Wenn es in Hamburg einen Ort gibt, der sich besonders gut als Startpunkt für Zeitreisen eignet, dann ist das Hausbruch. Am Minnerstieg. So hat es einmal angefangen in Hausbruch, vor rund 400 Jahren -- mit Reetdachtennen und Mauern aus Findlingen.

Wenn man hier startet und die schmalen Straßen entlanggeht, durch die an manchen Stellen nicht mal ein Auto passt, dann hat man Mühe zu begreifen: dass das alles hier zusammengehört. Das alte und das neue Hausbruch, das nur wenige Meter entfernt liegt und zum Großteil aus Hochhäusern besteht.

Seit Jahrzehnten stehen sie hier, und noch immer wirken sie wie Fremdkörper inmitten der Wälder und Moore von Hausbruch. Dabei sind sie vielleicht einfach nur die logische Fortsetzung einer Großstadtgeschichte: Hamburg ist gewachsen, Hausbruch ist gewachsen. Das, was nördlich der Elbe auf mehrere Stadtteile verteilt ist, gibt es hier zusammengefasst auf wenigen Quadratkilometern: Menschen, die seit Jahrhunderten in Villen leben, und Menschen aus allen Ecken der Welt, die sich winzige Wohnungen teilen. Die Wohnungen von Neuwiedenthal.

In das Wirgefühl investiert

Hausbruch besteht aus Altwiedenthal, Neuwiedenthal und dem Dubben, einer kleinen Wohnsiedlung südlich des Tesa-Werks. Drei Viertel der Bevölkerung Hausbruchs machen inzwischen die Neuwiedenthaler aus, doch sie leben nur auf einem Viertel der Gesamtfläche. Ihre Berührungspunkte mit dem alten Hausbruchern sind spärlich, im Schützenverein von 1898 sind sie wenn überhaupt eine Minderheit. Man trifft sie vor allem in der "Grünen Mitte", einem Park in der Nähe des Einkaufszentrums Rehrstieg, sieht man vor allem Neuwiedenthaler, es sind alte Männer in alter Kleidung, Kinder und Jugendliche nicht deutscher Herkunft.

Sie spielen Fußball und skaten, ohnehin ist Neuwiedenthal voller Orte, an denen sich Kinder und Jugendliche austoben können. Das ist unter anderem Pro Quartier zu verdanken. Vor fast zehn Jahren schlossen sich 13 Vermieter der Großsiedlung zu dieser Vereinigung zusammen.

Besonders ist die Neuwiedenthaler Apfelschule: Jedes Frühjahr, jeden Sommer und Herbst fahren Kindergruppen auf einen Bio-Apfelhof im Alten Land und erleben die Entwicklung von der Blüte bis zur Frucht. Beim Abschlussfest werden direkt im Stadtteil mehrere Hundert Liter Apfelsaft gepresst und die Schüler als "Apfelexperten" ausgezeichnet. Die Rechnung ist einfach: Wer dort Schönes erlebt, wo er wohnt, wird sich dort auch willkommen fühlen.

Vom Leben glücklicher Landeier

Wenn man mit Menschen durch Hausbruch geht, die nach dem Krieg hier groß geworden sind, dann blickt man in glückliche Landeier-Augen. Ihre Welt war eine kleine, sie bestand aus dem Dorfkrug, Bäcker Ammon und Eisenwaren Hartwig, an der Ecke Lange Striepen/Neuwiedenthaler Straße stand in den 50er-Jahren noch eine Grünkohlfabrik. Zu Erntezeiten fanden vor allem die Frauen hier Arbeit. An heißen Tagen holten die Kinder ihren Eltern im Dorfkrug Alsterwasser, wenn sie nicht gerade im Moor spielten, und im Winter hatten sie die verschneiten Harburger Berge für sich. Erst am Wochenende kamen die Hamburger mit ihren großen Schlitten.

Zur Schule fuhr man mit dem Rad. Heute sind die Hausbrucher Landeier Mitte 60, noch immer halten sie Kontakt, allerdings inzwischen über das Internet. Denn sie leben in der Lüneburger Heide, in Kanada oder sind zurückgekehrt an den Ort ihrer Kindheit -- ergraut, aber glücklich. Und gesund. Wer als Kind die Hügel zwischen Hausbruch und Harburg mit dem Rad erklomm, der profitiert noch heute davon. Und anders kam man eben nicht zur Schule.

Alles da, was Kinder brauchen

Noch heute ist Hausbruch ein guter Ort für junge Familien. Es gibt bezahlbare Grundstücke, unzählige Spielplätze, ein Freibad, ein Hallenbad. Es gibt zwei große Sportvereine und jedes Jahr ein Schützenfest. Und es gibt die Natur, das Umland. Hausbruch grenzt im Süden an die Gemeinde Rosengarten und das Naturschutzgebiet Lüneburger Heide. Es gibt unzählige Routen für Wanderungen und Radtouren -- und entsprechend viele Orte mit Biergärten und Terrassen. Das Berghotel Hamburg Blick zum Beispiel, das früher Große Sennhütte hieß. Es liegt auf dem 74 Meter hohen Wulmsberg, allein die Auffahrt ist ein Erlebnis: weil die Serpentinen einen glatt vergessen lassen, dass man gerade in Hamburg ist und nicht in der Schwäbischen Alb.

Braunkohle aus dem Emmetal

Hier, am südlichen Zipfel von Hausbruch, liegt das wohl am besten versteckte Denkmal der Stadt. Denn wer weiß schon, dass hier, im Emmetal, einmal das einzige Bergwerk Hamburgs stand? 1917 wollte die Witwe des Fuhrunternehmers Paul in ihrem Garten im Hausbrucher Emmetal einen Brunnen graben lassen, als die Arbeiter bei ihren Bohrungen überraschend auf Kohle stießen. Zwischen 1919 und 1922 wurde sie gefördert und – nach aufwendiger Waschung – bei der Harburger Phoenix verheizt. Als Kohle 1945 wieder knapp war, wurden noch einmal Probebohrungen angesetzt, aber der Aufwand
erwies sich als zu groß.

Und so entstand in Hausbruch das Bergwerk Robertshall. 17 Meter war der Schacht tief, von dem heute bis auf ein paar Mauerreste der Kohlenwäscherei nichts mehr zu erkennen ist. Nur ein Straßenname ist geblieben (Beim Bergwerk) und die eine oder andere Bodenmulde im umliegenden Wald. Im Helms-Museum gibt es ein Modell des Bergwerks, da kann man sich dann ein Bild davon machen, wie die Kultur der Kumpels in den 20er-Jahren in Harburg Einzug hielt. Hausbruch ist eben anders. Anders als damals, als es die Hochhäuser von Neuwiedenthal noch nicht gab. Und anders, als man denkt, wenn man den Stadtteil sonst nur vom Durchfahren kennt.

 

Hausbruch historisch

Es stand ziemlich allein auf weiter Flur – das kleine Viehhaus (Vorwerk), das Herzog Wilhelm von Harburg um 1610 im lauschigen Wald errichten ließ. Von diesem Haus im Bruch leitet sich aber nicht der Name Hausbruch ab, wie viele glauben, sondern von Hür (Heuer), also der Pacht, die Landnutzer dort zahlen mussten. Schon zuvor (1545) hatte Wilhelms Vorfahr Otto im heutigen Altwiedenthal eine Schäferei bauen lassen – beide waren offenbar früh von der schönen, noch
völlig unberührten Landschaft angetan.

Ein Anfang war also gemacht – Start für die Landwirtschaft, die Hausbruchs Gesicht über Jahrhunderte prägte. Die eher verschlafene Gegend erlebte ihre Blütezeit dann im Zuge der Industrialisierung. Hausbruchs Entwicklung ist dabei der anderer späterer Hamburger Stadtteile, zum Beispiel Heimfelds, sehr ähnlich: Auf der einen Seite siedelten sich hier – im Dunstkreis des schnell wachsenden Harburgs – viele Arbeiter und Angestellte an. Auf der anderen Seite versuchte
man frühzeitig, das idyllisch zwischen Bergen und Moor gelegene Hausbruch als Naherholungsgebiet für alle zu bewahren und Wiesen und Waldstücke für Ausflügler zu erhalten.

Gastwirtschaften und ein echtes Moorbad

„Die Mehrzahl der Bewohner Hausbruchs sind Angestellte, Arbeiter und Handwerker, die ihre Beschäftigung in den Harburger Fabriken und in Hamburgs Geschäften haben“, heißt es in dem Heimatbuch „Zwischen Elbe, Seeve und Este“ von 1925. Und weiter: „Der starke Fremdenverkehr hat es mit sich gebracht, dass Hausbruch eine ganze Reihe von Gastwirtschaften hat. Alteingesessene Bauernfamilien sind nur wenige vorhanden. Ihre hauptsächlichste Einnahme haben sie aus dem Gemüsebau und aus dem Verkauf von Milch.“

Seit 1910 gab es im Ortsteil Dubben die Badeanstalt Fürstenmoor, die später nach ihrem geistigen Vater, dem Arzt Georg Heyken, den Namen „Heykenau“ erhielt. Um 1900 hatte der Ort rund 400 Einwohner, 1905 waren es bereits 558. Das war nichts im Vergleich zum Bevölkerungswachstum in Hausbruch und dem benachbarten Neugraben-Fischbek nach dem Zweiten Weltkrieg. „Wohnten hier 1939 nur etwa 5800 Menschen, stieg die Bevölkerungszahl
bis heute auf rund 36.800 Einwohner an“, steht in einer Statistik von 1973, die sich auf alle drei Orte bezieht. Seit 1938 war Hausbruch hamburgisch.

Dem Zuzugsboom fielen mit der Zeit viele historische Gebäude zum Opfer. Das Hotel zur Haake, eine „Pension ersten Ranges“ (so das „Hotel-Adressbuch für Nordwestdeutschland“ von 1927), musste schon 1958 für die Verbreiterung der B 73 Platz machen. Einst war es eine beliebte Raststätte für Ausflügler auf dem Weg in die Neugrabenener Heide, in die Haake oder den
Rosengarten.

Auch Bahnhof und Windmühle verschwanden

1976 wurde Hausbruchs Bahnhof abgerissen, der 1899 eröffnet worden war. Versuche, dem neu eingerichteten Bahnhof Neuwiedenthal als nostalgische Reminiszenz den Namen Hausbruch zu geben, scheiterten kurze Zeit später. 1962 verschwand die Mühle, die um 1910 im Auftrag der etwas skurrilen Künstlerin Johanna Rauert erbaut worden war. Die hatte in der Mühlenkuppel ihr Atelier und arbeitete besonders gern, wenn sich die Flügel drehten. Nur: Die Mühle war ein reines Wohnhaus – ohne Mahlsteine und Mahlwerk, dafür aber mit Musikzimmer. So erzählt es der Chronist Hans F. Cordes in seinen „Hausbrucher Geschichten“. An die Dame erinnert heute der Straßenname Jungfernmühle.

Das Moorbad Heykenau verschwand 1956, und 1979 riss man den Gasthof Fünf Linden ab, an dessen Stelle einst das Herzogliche Vorwerk gestanden haben soll. Stattdessen wuchs Hausbruch in die Höhe: Der erste Teil der Großsiedlung Neuwiedenthal mit ihren sechs „Wohnknollen“ wurde zwischen 1959 und 66 aus dem Boden gestampft.

von Redaktion hamburgerimmobilien.de am 19.09.2018