Betriebswohnungen in Hamburg

Prokurist Ernst Wierutsch (v.l.) Bürgermeister Peter Tschentscher und Budni-Gesellschafter Cord Wöhlke beim Spatenstich für die Wohnungen.
Michael Rauhe

Unternehmen wie Budni, die Hochbahn, die Block Gruppe und das UKE bieten ihren Mitarbeitern einen Job und ein Zuhause. Ein attraktives Modell auf dem angespannten Wohnungsmarkt. 

Wenn der Arbeitgeber auch der Vermieter ist: das könnte für einige Beschäftigte von Budnikowsky bald Realität werden. Das Hamburger Traditionsunternehmen will ab Ende 2021 an der Wandsbeker Königstraße 45 Sozialwohnungen an seine Mitarbeiter vermieten. Geplant sind Zwei-, Drei- und Vierzimmerwohnungen, zwischen 50 und 90 Quadratmeter groß und alle mit Balkon, Loggia oder Terrasse ausgestattet. Die Nettokaltmiete soll bei 6,70 pro Quadratmeter liegen. 

Mit diesem Vorhaben möchte Cord Wöhlke, Geschäftsführender Gesellschafter der Drogeriemarktkette, einen Beitrag gegen die Wohnungsnot in Hamburg leisten. „Wir hoffen, dass weitere Unternehmen die sinnvolle Tradition der Werkswohnungen wieder aufleben lassen und für ihre Mitarbeiter Wohnraum schaffen“, sagte Wöhlke dem Hamburger Abendblatt. 

Die Idee der Werkswohnung stammt aus dem 19. Jahrhundert, als große Unternehmen wie beispielsweise BASF ganze Siedlungen in Ludwigshafen und Umgebung für ihre Mitarbeiter bauen ließen. Ende der 1970er-Jahre gab es in Westdeutschland nach Angaben des Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) etwa 450.000 Werkswohnungen, die sich vor allem im Besitz der Deutschen Bahn, der Deutschen Post und anderer Großunternehmen wie Volkswagen und RWE befanden. 

Fachkräftemangel trifft auf hohe Wohnkosten

In den 90er-Jahren trennten sich viele Unternehmen von ihrem Wohnungsbestand. Die Deutsche Bahn verkaufte 2001 beispielsweise rund 64.000 Betriebswohnungen an die Deutsche Annington, einen Immobilienkonzern, aus dem 2015 die Vonovia hervorging. Inzwischen ist Wohnraum vor allem in Ballungszentren knapp und entsprechend umkämpft. 

Von den seit Jahren stetig steigenden Miet- und Immobilienpreisen in Hamburg sind inzwischen nicht mehr nur Geringverdiener, Studierende, Alleinerziehende, Senioren und Menschen mit Handicaps betroffen. Immer mehr Menschen müssen einen großen Teil ihres Einkommens für Wohnkosten ausgeben. Und so werden Mitarbeiterwohnungen in einer Zeit, in der Fachkräftemangel auf einen angespannten Wohnungsmarkt trifft, wieder interessant. 

Das UKE bietet Azubis Plätze im Personalwohnheim an

In Hamburg gibt es mehrere Unternehmen, die ihren Mitarbeitern Wohnraum kostengünstig zur Verfügung stellen. So können sich beispielsweise Auszubildende am Universitätskrankenhaus Eppendorf (UKE) im Personalwohnheim am Grandweg einmieten. 300 Wohnungen stehen in fußläufiger Entfernung zum Klinikum zur Verfügung. Die Zimmer, 19,5 oder 21 Quadratmeter groß, verfügen über ein eigenes Bad und werden zu Mieten unterhalb des Marktpreises angeboten, sagt UKE-Sprecherin Saskia Lemm. Momentan sind alle Plätze belegt. 

Die Hochbahn vermietet mehr als 2000 Wohnungen in Hamburg und Reinbek

Auch die Hamburger Hochbahn bietet ihren Beschäftigten günstigen Wohnraum an. Über die Hanseatische Siedlungsgesellschaft (HSG) vermietet die Hochbahn mehr als 2000 Wohneinheiten in Hamburg und Reinbek. Angestellte der Hochbahn, ihrer Tochterfirmen oder ihrer Verbundpartner können unter anderem in Altona, Harburg, Bramfeld, Sülldorf und Winterhude an insgesamt 16 Standorten von ihrem Arbeitgeber Wohnraum mieten. Nach Angaben von Hochbahn-Sprecher Christoph Kreienbaum beträgt die durchschnittliche Kaltmiete 6,82 pro Quadratmeter (Stand 2019). Die Nachfrage nach den Mitarbeiterwohnungen ist groß. Das liege unter anderem an den jüngsten Mehreinstellungen insbesondere im Fahrdienst von Bus und U-Bahn, sagt Kreienbaum. 

Auf Sylt gibt es für Beschäftigte der Block Gruppe ein Personalwohnheim

Das Gastronomie- und Hotelgewerbe plagen seit Jahren Nachwuchssorgen. Auch Wettbewerber mit großem Renommee müssen um die besten Köpfe kämpfen. Die Block Gruppe, zu der unter anderem die Restaurantkette Block House sowie das Luxushotel Grand Elysee Hamburg gehört, stellt deutschlandweit ihren Beschäftigten 25 Personalwohnungen zur Verfügung, teilt Christina Schreiner, Sprecherin der Block Gruppe, mit. Auf Sylt bietet das Unternehmen seinen Beschäftigten Plätze in einem Personalwohnhaus an, die ganzjährig genutzt werden können, „weil Wohnraum knapp ist“, sagt Christina Schreiner. 

Das sind die Pläne Hamburger Unternehmen

Das Thema Wohnen ist nicht nur eines, dass politische Parteien für sich entdeckt haben. Auch Unternehmen sind inzwischen dafür sensibilisiert. So gibt es im Intranet des UKE ein Schwarzes Brett, auf dem Privatpersonen dem UKE Miet- oder Kaufangebote für Immobilien unterbreiten. Dort können auch UKE-Beschäftigte ihren Kollegen Wohnraum anbieten, zum Beispiel, wenn Forschungsaufenthalte einen Umzug nötig machen. Darüber hinaus „arbeitet das UKE an zukünftigen Konzepten zur Erweiterung des Wohnraumangebots für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, teilt UKE-Sprecherin Saskia Lemm mit.

Auch die Hamburger Hochbahn und die Block Gruppe beschäftigen sich weiter mit dem Thema. „Besteht ein größerer Bedarf an Mitarbeiterwohnungen, unterstützt die Block Gruppe, indem sie Wohnungen anmietet und etwa in Form von Wohngemeinschaften an Mitarbeitende günstig untervermietet. Zeigt sich ein langfristiger Bedarf prüfen wir auch den Kauf einer Immobilie für die Zurverfügungstellung von Wohnraum für unsere Mitarbeiter“, sagt Christina Schreiner, Sprecherin der Block Gruppe. 

Nach Angaben von Hochbahn-Sprecher Christoph Kreienbaum prüft das Verkehrsunternehmen  verschiedene mögliche Lösungsansätze. Ein möglicher Lösungsansatz sei der Bau weiterer Betriebswohnungen, sagt Kreienbaum. Eine Entscheidung dazu sei jedoch derzeit noch nicht getroffen.

Es werden bundesweit wieder Werkswohnungen gebaut

Bundesweit werden derzeit vermehrt Werkswohnungen gebaut. Unter anderem die Deutschen Bahn, aber auch BASF, Bosch, Audi und VW, die Stadtwerke in Köln und München sowie der dortige Flughafen nutzen das Instrument des Mitarbeiterwohnens. In Berlin schafft das Wohnungsunternehmen berlinovo Wohnungen für Polizeianwärter, die Fachgemeinschaft Bau plant bezahlbaren Wohnraum für Beschäftigte der Baubranche. Auch die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) wird in Zukunft verstärkt Wohnungen für Bundesbedienstete errichten.

„Aus Sicht der Unternehmen stellt Mitarbeiterwohnen ein attraktives Instrument der Personalpolitik dar. Bedarfsgerechte, nachhaltige Wohnangebote können die Arbeitgebermarke und die Attraktivität des Arbeitgebers enorm steigern“, sagte Arnt von Bodelschwingh, der im Auftrag des Bundesverbands deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) zum Thema Werkswohnungen forscht. Als Geschäftsführer des Berliner Instituts RegioKontext hat von Bodelschwingh verschiedene Projekte in Deutschland untersucht. Sein Fazit: „Durch das Mitarbeiterwohnen entstehen bedarfsgerechte, bezahlbare Wohnangebote dort wo sie fehlen und dringend benötigt werden. Damit helfen Mitarbeiterwohnungen auch dem Wohnungsmarkt insgesamt.“

von Redaktion hamburgerimmobilien.de am 21.02.2020